Ein Evakuierter aus der Region Fukushima wird auf Strahlung untersucht

Frage vom 14. April 2011 Wie dekontaminiert man Menschen?

Stand: 14.04.2011 14:38 Uhr

Strahlende Stoffe wird man am besten wieder los, wenn sie nur außen auf der Haut, besser noch auf der Kleidung sitzen. Ausziehen und Abspritzen, ist das Wichtigste. Je schneller, desto weniger Schaden entsteht. Die Feuerwehren in Deutschland benutzen dazu Netzwasser  – im Grund nichts anderes als Wasser mit Waschsubstanzen, die die Oberflächenspannung heruntersetzen. Mehrfach intensiv abwaschen und wirklich jeden Winkel des Körpers reinigen. Das entfernt möglichst viele Staubpartikel, an die strahlendes Material gebunden sein könnte.

Werner Eckert

Strahlendes Material kann durch Waschen entfernt werden

Haare abschneiden, möglicherweise auch rasieren kann eine schnelle und konsequente Lösung sein. Ausspucken und Schnäuzen soll möglichst viel strahlendes Material wegschaffen. Das Waschwasser muss gesammelt und entsorgt werden. Vor allem muss auch kontrolliert werden, ob die Waschaktion erfolgreich war. Sonst wird sie wiederholt. Kritisch: die Haut darf durch dauerndes Waschen nicht so sehr aufgeweicht und beschädigt werden, dass die strahlenden Teile noch leichter eindringen können. Und nur die Oberfläche der Haut lässt sich so auch reinigen. Wenn die radioaktiven Stoffe schon tiefer eingedrungen sind, bleibt nur die Hoffnung, dass die Hornhautzellen alle 2 Wochen abgestoßen werden und mit ihnen wieder ein Teil der Belastung.

Ein Evakuierter aus der Region Fukushima wird auf Strahlung untersucht

Evakuierte werden auf Strahlung untersucht.

Strahlenopfer sind meist keine Gefahr für ihre Umwelt

Die Wirkung von Strahlen auf die Zellen lässt sich mit Waschen und Reinigen nicht wieder rückgängig machen. Und auch das, was der Körper schon aufgenommen hat, ist erst mal drin. Jod-Tabletten sollen aber auch dann noch verhindern, dass sich zu viel radioaktives Jod-131 in der Schilddrüse einlagert. Mit Eisenhexacyanoferrat  (Berliner Blau) kann die Aufnahme von Cäsium im Magen-Darm-Trakt ein bisschen vermindert werden. Die strahlenden Cäsium-Formen werden dann schneller wieder ausgeschieden. Alles Weitere fällt dann schon in die medizinische Behandlung der Strahlenkrankheit.

Ein Mensch, der verstrahlt wurde, ist keine Gefahr für seine Umwelt. Er ist ein Opfer und keine Strahlenquelle. Anders, wenn er viel strahlendes Material eingeatmet oder mitgegessen hat. Dann kann er durchaus selbst zum strahlenden Objekt werden.

Auch Leichen werden dekontaminiert

Das gilt auch für Tote. Ein trauriges Kapitel ist die Dekontamination von Leichen. Auch sie werden dekontaminiert – also im Wesentlichen abgewaschen.  Im deutschen Recht zumindest gibt es aber für den medizinischen Bereich die Regelung, dass Toten, die sehr viel strahlendes Material aufgenommen haben, diejenigen Organe entfernt werden, in denen sich besonders viel gesammelt hat. Wenn die Leiche Gamma-Strahler enthält, soll mit einer Obduktion gewartet werden, bis bestimmte Grenzwerte unterschritten werden. Krematorien haben Filter, die die radioaktiven Isotope zum Teil zurückhalten. In Fukushima ist aber schon die Bergung der Leichen in hoch verstrahltem Gelände in der Nähe des Kernkraftwerkes ein Problem.

Fragen zu Fukushima

Die SWR-Uweltredakteure Werner Eckert und Axel Weiß haben im Blog zahlreiche Fragen zu Fukushima beantwortet. tagesschau.de hat diese ursprünglich für das Blog verfassten Texte nun zu einem Dossier zusammengefasst.