Das Rettungsschiff "Open Arms" vor der Küste Lampedusas | REUTERS

Streit um Flüchtlingsschiff "Open Arms" darf in Spanien anlegen

Stand: 18.08.2019 13:38 Uhr

Die "Open Arms" mit 107 Flüchtlingen an Bord darf nach zweieinhalb Wochen auf See im Hafen Algeciras anlegen. Das entschied die spanische Regierung. Ministerpräsident Sanchez kritisierte die Haltung Italiens.

Das von Italien abgewiesene Flüchtlings-Rettungsschiff "Open Arms" darf in einen spanischen Hafen einlaufen. Ministerpräsident Pedro Sánchez habe angesichts der Notlage an Bord und der "unbegreiflichen" Haltung Italiens angeboten, dass das Schiff mit mehr als hundert Migranten an Bord im Hafen von Algeciras in Andalusien anlegen dürfe, teilte die Regierung in Madrid mit.

Erlaubnis per Brief

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte am Samstag nach langem Streit 27 in einem Schreiben erlaubt, unbegleitete Minderjährige von der "Open Arms" an Land gehen lassen, 105 Erwachsene und zwei begleitete Minderjährige mussten aber an Bord bleiben.

Am Nachmittag wurden die Jugendlichen von der Küstenwache abgeholt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. "Gegen meinen Willen", schrieb der rechte Politiker. Ministerpräsident Giuseppe Conte habe ihn zu dem Schritt aufgefordert.

Die Situation war zuvor Augenzeugen zufolge immer kritischer geworden. "Jede Sekunde, die vergeht, rückt die Explosion dieser Bombe näher", hatte Kapitän Marc Reig gewarnt. Er schrieb auf Twitter weiter, er hoffe, dass nun sehr schnell auch die übrigen 107 Personen von Bord könnten. Die Lage auf dem Schiff gleiche einer "Zeitbombe". Seine Besatzung habe die ganze Nacht kein Auge zugetan, um Gewalt und Selbstverstümmelung unter den Passagieren zu verhindern, so Reig.

Die EU-Kommission forderte vor zwei Tagen verbindliche Lösungen für in Europa ankommende Flüchtlinge. "Die Situation, dass Menschen tage- und wochenlang auf See festsitzen, ist unhaltbar", sagte eine Sprecherin. Sechs europäische Staaten hatten sich zur Aufnahme von Menschen von dem blockierten Rettungsschiff "Open Arms" bereiterklärt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich dafür aus, die staatlich organisierte Seenotrettung von Migranten im Mittelmeer wieder aufzunehmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. August 2019 um 13:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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Allrightcom 18.08.2019 • 16:55 Uhr

Das sollte mal gesagt werden:

Auch wenn man damit rechnen muss, auf irgendeiner Feindesliste zu landen: Der Mensch lebt nicht allein auf der Welt. Nicht alle Menschen sind privilegiert und begabt, und nicht allen gelingt es, im Heimatland der Not zu entgehen, obwohl sicherlich alle am liebsten zu Hause bleiben würden. Aber alle Menschen haben die gleichen Rechte auf Hilfe und Unversehrtheit . Wer das nicht einsieht und niemanden und nichts außer Bekanntem, für ihn Nützlichem zu sehen wünscht, muss sich eben irgendwo auf der Welt isolieren, einmauern, abschotten. Aber auch dort muss er damit rechnen, dass dies nicht so bleibt. Die Hilfesuchenden abweisen, alles Fremde ausgrenzen ist die Mentalität eines Jägers und Sammlers, der nichts anerkennt außer dem, was er seit seiner Geburt kennt, was er liebt und nicht missen möchte. Das hätten die Notleidenden auch nicht gewollt, aber ihnen bleib nichts anderes übrig als zu gehen. Gracias, Señor Sanchez