Spiegelei | picture alliance / Sven Hoppe/dp

Fipronil-Skandal EU will Eier-Krisensitzung

Stand: 11.08.2017 13:55 Uhr

Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier beruft die EU nun eine Krisensitzung ein. Vom Eier-Skandal sollen mittlerweile 17 Länder betroffen sein. Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht hierzulande von fast elf Millionen Eiern aus.

Im Eier-Skandal hat EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis ein Treffen der zuständigen Minister sowie Behördenvertreter der betroffenen Länder vorgeschlagen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte der Kommissar, dass die Krisensitzung stattfinden solle, sobald alle Fakten auf dem Tisch lägen. Das Treffen solle aber bis Ende September stehen.

"Es bringt uns nicht weiter, wenn einer dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt. Ich will das stoppen", sagte der Litauer. Gleichzeitig betonte er, die Lebensmittelsicherheit in der Union sei eine der höchsten der Welt, das System sei "gut". Nun müssten die Mitgliedsländer zusammenarbeiten, um die nötigen Lehren aus dem Skandal zu ziehen. Die Experten müssten herausfinden, wo die Probleme entstanden seien, "damit wir uns hinsetzen und über Lösungen und Folgen sprechen können".

Kriminelle Machenschaften

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) wittert hinter dem Skandal kriminelle Machenschaften. Inzwischen ermitteln neben den Behörden in Belgien und den Niederlanden auch deutsche Staatsanwälte. Schmidt wirft den belgischen Behörden vor, von der Belastung der Eier schon früh gewusst zu haben.

Die Zahl der mit Fipronil belasteten Eier in Deutschland ist laut Bundeslandwirtschaftsministerium womöglich höher als bisher angenommen.

Es sei davon auszugehen, dass "rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden sind", berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf eine Antwort des Ministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion.

Grünen sprechen von "Armutszeugnis"

Zuvor hatte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) bereits von mutmaßlich zehn Millionen betroffenen Eiern gesprochen. Wie viele der Eier in den Handel gelangten, lasse sich nicht mit Sicherheit abschätzen, berichtete die Zeitung mit Verweis auf das Bundesministerium.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt nannte die Bilanz des Ministeriums ein "Armutszeugnis" und rief Landwirtschaftsminister Christian Schmidt dazu auf, mehr für die Aufklärung des Skandals zu tun.

Katrin Göring-Eckardt | ZB

Katrin Göring-Eckardt nannte die Bilanz des Ministeriums ein "Armutszeugnis". Bild: ZB

Unterdessen haben der Discounter Aldi Nord und Aldi Süd angekündigt, wieder frische Eier verkaufen zu wollen. Nach ihrem Verkaufsstopp seien wie gewohnt alle Eier verfügbar, teilte Aldi Süd mit. Auch in den Filialen von Aldi Nord sollte es - von Einzelfällen abgesehen - am Freitag wieder frische Eier geben, sagte eine Sprecherin.

17 Länder betroffen

Mittlerweile sind laut Mitteilung der EU-Kommission 15 Staaten der Europäischen Union betroffen, zudem Hongkong und die Schweiz. In Rumänien wurde eine Tonne Flüssig-Eigelb aus Deutschland entdeckt, das mit dem Insektengift Fipronil verseucht ist. In der Slowakei stießen die Lebensmittelbehörden in einem Lagerhaus auf mehr als 20 Paletten kontaminierte hartgekochte Eier, die über Deutschland aus den Niederlanden importiert worden waren. In Dänemark gelangten rund 20 Tonnen Fipronil-Eier eines belgischen Lieferanten in Cafés und Kantinen sowie zu Catering-Unternehmen.

In Frankreich kamen 240.000 belastete Eier in den Handel. Sie stammen nach Angaben des Landwirtschaftsministers Stéphane Travert ebenfalls aus Belgien und den Niederlanden. Der Grad der Verunreinigung bedeute allerdings "kein Risiko für die Verbraucher", betonte der Minister.

Rumänien und die Slowakei sind die ersten Länder in Osteuropa, in denen mit Fipronil belastete Eier nachgewiesen wurden. Neben diesen beiden Staaten und Dänemark sind 12 weitere EU-Länder betroffen: Deutschland, die Niederlande und Belgien sowie Frankreich, Österreich, Italien, Irland, Polen, Slowenien, Schweden, Großbritannien und Luxemburg.

Ursprung Belgien - Festnahmen in den Niederlanden

Der Skandal hat nach bisherigen Erkenntnissen seinen Ursprung in Belgien. Dort wurde offenbar ein für die Nutztierhaltung zugelassenes, rein pflanzliches Desinfektionsmittel mit dem für die Nutztierhaltung verbotenen Fipronil gemischt. Es wurde auch in Ställen in den Niederlanden und in einigen Fällen auch in Deutschland eingesetzt. Millionen belasteter Eier aus den Niederlanden wurden nach Deutschland verkauft.

In den Niederlanden wurden zwei Manager der Firma Chickfriend inhaftiert, die Fipronil in Legehennen-Betrieben eingesetzt hatte.

Über dieses Thema berichtete am 11. August 2017 die tagesschau24 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft und NDR Info um 07:45 Uhr.