In der italienischen Hauptstadt Rom stehen Menschen für einen Corona-Test Schlange. | dpa

Corona-Pandemie WHO rechnet mit Omikron-Welle in Europa

Stand: 11.01.2022 15:43 Uhr

Die WHO warnt vor einer massiven und schnellen Ausbreitung der Omikron-Variante: So könnten sich in den nächsten sechs bis acht Wochen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Europa mit Omikron anstecken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erwartet eine explosionsartige Ausbreitung der Corona-Variante Omikron in Europa. In den nächsten sechs bis acht Wochen könnten sich mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Europa mit der Omikron-Virus-Variante anstecken, warnt die WHO. Bereits in der ersten Woche des neuen Jahres habe es in Europa mehr als sieben Millionen neu gemeldete Covid-19-Fälle gegeben, die sich innerhalb von zwei Wochen mehr als verdoppelt hätten, sagte WHO-Europadirektor Hans Kluge auf einer Online-Pressekonferenz in Kopenhagen.

Omikron fegt über Europa hinweg

Omikron stelle eine Flutwelle dar, die von West nach Ost über die europäische Region hinwegfege und zu dem Anstieg der Delta-Zahlen hinzukomme, den die Länder bis Ende 2021 erlebt hätten, sagte Kluge weiter. Omikron werde schnell zur dominanten Variante in Westeuropa und verbreite sich nun auch auf dem Balkan.

Auch für Deutschland verzeichnet das Robert-Koch-Institut (RKI) steigende Neuinfektionen. Der seit Tagen sichtbare Anstieg der Zahlen wird vor allem auf die Omikron-Ausbreitung zurückgeführt. Am Dienstag meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 45.690 neue Fälle. Das sind 15.129 Fälle oder rund 50 Prozent mehr als vor einer Woche, als 30.561 Positiv-Tests gemeldet wurden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 387,9 von 375,7 am Vortag.

Kluge: Drei Botschaften wegen Omikron

Kluge nutzte seine erste Online-Pressekonferenz des Jahres für drei Botschaften: Zum einen rief er Länder ohne bisherige Omikron-Zunahme dazu auf, das verbleibende Zeitfenster zu nutzen und Vorkehrungen zu treffen - Omikron breite sich schneller aus als jede andere zuvor gesehene Variante des Coronavirus. Wo die Omikron-Ausbreitung begonnen habe, müsse die Priorität darauf liegen, Auswirkungen auf Anfällige zu vermeiden und Störungen der Gesundheitssysteme zu minimieren. Drittens ging es Kluge um das Offenhalten der Schulen. Dies sei äußerst wichtig für die Kinder, weshalb Schulen der letzte Ort sein sollten, der geschlossen - und der erste, der wieder geöffnet wird.

Variante nicht mit der Grippe vergleichbar

Die WHO warnte zudem angesichts von Lockerungsdebatten in vielen Ländern davor, dass die Omikron-Variante zwar im Schnitt zu leichteren Krankheitsverläufen führe, aber dennoch nicht mit der Grippe vergleichbar sei. Am Montag hatten etliche Länder Personalnotstand in Klinken gemeldet, weil Omikron zu einem steilen Anstieg der Neuinfektionen geführt hatte. Davon ist auch medizinisches Personal betroffen. Zudem sorgen die hohen Infektionszahlen dafür, dass trotz des milderen Verlaufs mehr Patienten ins Krankenhaus kommen.

Die WHO Europa ist zuständig für 53 Länder und Gebiete nicht nur in Europa, sondern auch in Zentralasien. Nach ihren Angaben berichteten zuletzt 26 dieser Länder, dass sich wöchentlich mehr als ein Prozent ihrer Einwohner mit dem Coronavirus ansteckten. Kluge betonte zugleich, Corona-Impfungen böten "weiterhin guten Schutz vor ernsthaften Erkrankungen und Tod, auch bei Omikron".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Januar 2022 um 15:35 Uhr.