Covax-Impfkampagne in Ramallah | AP

Schleppende Covax-Initiative WHO fordert Impfstoff für arme Länder

Stand: 26.03.2021 20:19 Uhr

Rund 20 Staaten haben bislang keine Impfstoffdose erhalten, obwohl das Coronavirus auch dort die Menschen bedroht. Die WHO appelliert deshalb eindringlich an reiche Länder, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu aufgerufen, Impfstoff für ärmere Länder zu spenden. Sofort benötigt würden zehn Millionen Impfdosen für rund 20 Länder, die bislang ohne jeden Impfstoff seien, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Er klagte, der weltweite Ansturm auf Impfstoffe habe die Lieferungen für die sogenannte Covax-Initiative verzögert.

Die internationale Covax-Initiative will eine faire weltweite Verteilung von Corona-Impfstoffen erreichen. Ursprünglich sollten bis Ende Mai 238 Millionen Dosen an die ärmsten Staaten geliefert werden. Allerdings musste die Initiative einen schweren Rückschlag hinnehmen, nachdem die Lieferungen des Impfstoff-Herstellers Serum Institute of India (SII) für März und April ins Stocken geraten waren. 

Das SII, das den AstraZeneca-Impfstoff produziert, beliefert sowohl den heimischen Markt als auch die internationale Covax-Initiative. Wegen des großen Bedarfs in Indien stellt die indische Regierung derzeit jedoch keine Exportgenehmigungen für etwa 90 Millionen Dosen aus. 

Hilfsorganisationen wenden sich an US-Präsident Biden

Um die Covax-Initiative trotzdem zu stärken, appellierten mehrere internationale Nichtregierungsorganisationen an US-Präsident Joe Biden, den Erfolg seiner Impfkampagne mit der Welt zu teilen. Biden hatte mehrfach seit seinem Amtsantritt betont, sein oberstes Ziel sei es, dass die gesamte US-Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft werde. Dieses Ziel ist in Reichweite: Ab dem 1. Mai sollen alle Erwachsenen in den USA Zugang zu Corona-Impfungen haben, bis Ende Juli wird mit ausreichend Impfstoff für die gesamte US-Bevölkerung gerechnet.

Darauf ruht die Hoffnung der 30 Nichtregierungsorganisationen, darunter ONE Campaign, das International Rescue Committee, Catholic Relief Services und Save the Children. In einem Brief fordern sie von der US-Regierung, überschüssige Impfstoffe an die Covax-Initiative abzugeben. Covax sei ein Weg, "maximale Fairness" bei der Impfstoffverteilung herzustellen.

EU-Behörden erwarten Zunahme an Migration

Unterdessen rechnen EU-Experten offenbar damit, dass ein "Impfstoff-Egoismus" der reichen Länder im Sommer zu einem Anstieg der Migration beitragen könnte. Das geht nach Informationen des "Spiegel" aus einem vertraulichen Protokoll einer EU-Videokonferenz hervor.

Die Grenzschutzagentur Frontex, der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) und die Asylagentur EASO warnen demnach vor einem Anstieg der Migrationszahlen im Mittelmeerraum. Als Hauptgrund nennen EASO und EAD eine "schlechte wirtschaftliche und medizinische Situation in den Herkunftsländern".

Laut "Spiegel" berichten die EU-Experten, dass in den meisten Herkunftsländern von Flüchtlingen bisher wenig bis gar nicht geimpft werde. Die Covax-Initiative habe bisher 32 Millionen Impfstoffdosen an 60 ärmere Länder geliefert. Die EU habe Covax zwar eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, aber kaum Impfstoff. Die 77 Millionen Dosen, die sie bislang exportiert habe, seien vor allem an Industrieländer gegangen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. März 2021 um 14:08 Uhr.