Der emeritierte Papst Benedikt XVI. | dpa

Missbrauchsgutachten Vatikan nimmt Benedikt XVI. in Schutz

Stand: 26.01.2022 17:38 Uhr

Das Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum München und Freising belastet den emeritierten Papst Benedikt XVI. schwer. Der Vatikan verteidigt ihn nun und hebt seinen Kampf gegen Missbrauch durch Klerikern hervor.

Der Vatikan hat den wegen seines Umgangs mit sexuellem Missbrauch in der Kirche unter Druck geratenen emeritierten Papst Benedikt XVI. in Schutz genommen. Der Mediendirektor des Vatikan, Andrea Tornielli, hob "den Kampf Benedikts XVI. gegen Missbrauch durch Klerikern" hervor. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger habe in seiner Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation "das Phänomen bereits bekämpft".

"Strenge Vorschriften gegen Missbrauchstäter"

Nach seiner Wahl zum Papst habe Benedikt XVI. später "äußerst strenge Vorschriften gegen klerikale Missbrauchstäter, eigene Gesetze zur Bekämpfung" sexuellen Missbrauchs erlassen, schrieb Tornielli. Er sei außerdem der erste Papst gewesen, "der auf seinen Apostolischen Reisen mehrmals mit Missbrauchsopfern zusammentraf".

So habe Benedikt XVI. 2001 verfügt, dass alle Missbrauchsfälle an die Glaubenskongregation gemeldet werden müssen, nachdem er festgestellt hatte, dass Bischöfe weltweit Priester, die Missbrauch begangen hatten, eher in eine andere Gemeinde versetzten, als sie zu bestrafen. In seinen letzten beiden Amtsjahren als Papst habe er fast 400 Priester wegen Missbrauchs aus ihren Ämtern entfernt, schrieb Tornielli.

Der Leiter der Vatikan-Medien betonte, dass das Gutachten zu den Missbrauchsfällen im Erzbistum München "keine gerichtliche Untersuchung, geschweige denn ein endgültiges Urteil" sei. Zudem wandte er sich gegen einseitige Schuldzuweisungen. Die Schlussfolgerungen aus dem Bericht könnten nur dann zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch in der Kirche beitragen, "wenn sie sich nicht auf die Suche nach bloßen Sündenböcken und Pauschalurteilen beschränken", schrieb Tornielli.

Gutachten wirft Benedikt XVI. Fehlverhalten vor

Das in der vergangenen Woche vorgelegte Gutachten hatte bei sämtlichen Münchner Erzbischöfen seit dem Zweiten Weltkrieg Fehlverhalten festgestellt. Benedikt XVI. wurde konkretes und persönliches Fehlverhalten in mehreren Fällen vorgeworfen. Auch dem aktuellen Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird formales Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, sie gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus.

Am Montag räumte der emeritierte Papst ein, dass er in seiner Stellungnahme für das Gutachten falsche Angaben gemacht hatte. Dabei ging es um seine Teilnahme an einer Sitzung im Januar 1980, die er zunächst abgestritten hatte. 

Die betreffende Ordinariatssitzung gilt als zentral für den späteren Einsatz des wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraften Priesters Peter H. in Gemeinden des Erzbistums München und Freising, wo er dann wieder Kinder missbrauchte. In der Sitzung wurde über die Aufnahme des im Bistum Essen wegen sexuellen Missbrauchs aufgefallenen H. im damals von Ratzinger als Erzbischof geleiteten Münchner Erzbistums entschieden.

Die Vorstellung des Münchner Gutachtens hatte in der katholischen Kirche und darüber hinaus für eine große Welle der Empörung gesorgt. Der Heilige Stuhl hatte in einer ersten Stellungnahme "sein Gefühl der Scham und Reue für den Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche" bekräftigt.