Antony Blinken | AFP

Ukraine-Krise Familien von US-Diplomaten sollen Kiew verlassen

Stand: 24.01.2022 02:32 Uhr

Angesichts der zunehmenden Spannungen in der Ukraine-Krise hat das US-Außenministerium die Familien von Diplomaten angewiesen, Kiew zu verlassen. Außerdem wurde eine Reisewarnung für Russland erlassen.

Das US-Außenministerium hat angeordnet, dass die Familien der US-Diplomaten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew das Land verlassen sollen. Grund dafür sei die "anhaltende Bedrohung durch eine russische Militäroperation", erklärte das Ministerium. Lokale Angestellte der US-Botschaft dürfen demnach "freiwillig" das Land verlassen. Weitere in der Ukraine lebende US-Bürger sollten "jetzt in Erwägung ziehen", die Ukraine mit kommerziellen Flügen oder anderen Transportmitteln zu verlassen.

Sicherheitsbedingungen unvorhersehbar

Über diesen Schritt war bereits seit einigen Tagen spekuliert worden. Es handle sich dabei um "Vorsichtsmaßnahmen", sagte eine hochrangige Beamtin des Ministeriums. Die Botschaft in Kiew bleibe geöffnet und die Geschäftsträgerin Kristina Kvien "bleibt in der Ukraine", fügte die Beamtin hinzu. Darüber, wie viel Personal in der US-Botschaft von den Änderungen betroffen ist, machte das Ministerium keine Angaben. Auf die Frage, warum diese Entscheidung ausgerechnet jetzt getroffen werde, verwies das Ministerium auf die Warnung des Weißen Hauses aus der vergangenen Woche, wonach es jederzeit zu einem Einmarsch Russlands in die Ukraine kommen könne.

Man verfolge weiterhin den Weg der Diplomatie, aber sollte Russland sich für eine weitere Eskalation entscheiden, dann seien die Sicherheitsbedingungen unvorhersehbar und könnten sich innerhalb kürzester Zeit verschlechtern, sagte die Beamtin. "Wir wissen nicht, ob er sich schon zu einer Invasion entschlossen hat, aber er baut die militärischen Kapazitäten entlang der ukrainischen Grenzen auf, um diese Option jederzeit bereit zu haben", sagte sie mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Von Reisen nach Russland wird abgeraten

US-Bürger, die sich in der Ukraine aufhielten, sollten in Erwägung ziehen, jetzt mit kommerziellen oder anderen privat verfügbaren Transportmöglichkeiten auszureisen, hieß es weiter. Das Ministerium machte außerdem deutlich, dass es im Falle einer Invasion Russlands keine Evakuierungsaktion geben werde. Daher sollten die US-Bürgerinnen und -Bürger jetzt entsprechend planen. Die Maßnahmen würden in keiner Weise die Unterstützung oder das Engagement der USA für die Ukraine beeinträchtigen.

Außerdem rät die US-Regierung ihren Bürgern von Reisen nach Russland ab. Es werde US-Bürgern "dringend empfohlen", Reisen nach Russland zu vermeiden, erklärte das Außenministerium. Zudem werde vor "Schikanierung" durch die russische Polizei gewarnt, unter anderem durch die "willkürliche Anwendung von Gesetzen". Das US-Außenministerium berichtete, dass US-Bürger bereits "von russischen Beamten ohne Grund verhört und bedroht worden". Die Botschaft in Moskau könne ihnen dabei nur "begrenzt" zu Hilfe kommen.

Auswärtiges Amt beobachtet Sicherheitslage "sehr aufmerksam"

Trotz der angespannten Lage beabsichtigt das Auswärtige Amt in Berlin nach eigenen Angaben bisher keinen Abzug von Personal aus der Ukraine. "Wir beobachten sehr aufmerksam, wie sich die Sicherheitslage für das Personal an unseren Auslandsvertretungen in der Ukraine darstellt, und stehen hierzu auch in engem Austausch mit unseren Partnern in der EU und auf internationaler Ebene", hieß es am Samstag.

Deutschland rät seinen Bürgern bislang nur von Reisen in die von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete im Osten sowie auf die russisch kontrollierte Halbinsel Krim ab. Allerdings rät das Auswärtige Amt Deutschen in der Ukraine, sich "vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Bewegungen russischer Militärverbände nahe der ukrainischen Grenzen" gut über die Sicherheitslage zu informieren.

Russland hat in den vergangenen Wochen mehr als 100.000 Soldaten an der ukrainischen Grenze zusammengezogen. Der Westen befürchtet deshalb einen russischen Großangriff auf das Nachbarland. Moskau dementiert jegliche Invasionspläne.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Januar 2022 um 02:20 Uhr.