Joe Biden | AP

100 Tage Krieg gegen die Ukraine Wie sich die US-Position entwickelt hat

Stand: 03.06.2022 04:34 Uhr

Seit inzwischen 100 Tagen greift Russland die Ukraine an. In dieser Zeit haben die USA viel dafür getan, dass Kiew standhält. Dabei verfolgt man in Washington eine Reihe von Zielen.

Von Reinhard Baumgarten, ARD Studio Washington 

Geld, Waffen, Munition, nachrichtendienstliche Aufklärung. Ohne diese Hilfe wäre die Ukraine längst eine Beute Putins geworden, urteilt John Herbst. Mehr noch: "Die Unterstützung des Westens unter amerikanischer Führung hat der Ukraine die Chance eröffnet, zu gewinnen."

Reinhard Baumgarten

Herbst war US-Botschafter in Kiew. Heute ist er Direktor des einflussreichen Think Tanks Atlantic Council.

Es wäre ideal, wenn die Ukraine Russland morgen besiegen würde. Wenn es zwei Jahre dauern sollte, wäre das nicht ideal. Aber besser, die Ukraine gewinnt. Ein Krieg über zwei Jahre bedeutet viel Abnutzung für Russland und auch für die Ukraine. Wir wollen das nicht.

Rund fünf Milliarden Dollar an militärischer und technischer Hilfe

Deshalb liefern die USA Flugabwehrraketen, panzerbrechende Waffen, weit schießende Haubitzen samt schwerer Munition, gepanzerte Fahrzeuge, Kampfhubschrauber, Radarsysteme, Nachtsichtgeräte, Mehrfachraketenwerfer und vieles mehr.

Rund fünf Milliarden Dollar hat die Biden-Administration bereits an militärischer und technischer Hilfe auf den Weg gebracht. Tendenz steigend. Putins Krieg gegen die Ukraine betreffe nicht nur Europa, begründet der US-Präsident die amerikanische Unterstützung. "Es ist ein Angriff auf die Demokratie und auf die Grundsätze Souveränität und territoriale Einheit."

Biden-Administration verfolgt auch politische Ziele

Joe Biden begründet das Engagement der USA zugunsten Kiews auch mit der  Brutalität und Ruchlosigkeit der russischen Truppen in der Ukraine.    

Putins brutaler Krieg in der Ukraine ist nicht nur der Versuch, die Ukraine zu übernehmen. Er versucht Kultur und Identität der Ukrainer auszulöschen. Angriffe auf Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Museen dienen nur dem Ziel, eine Kultur zu tilgen.

Je erfolgreicher sich die Ukraine wehrt, je mehr Putins Krieg Schwächen seines Militärapparats aufdeckt, umso stärker verfolgt die Biden-Administration mit ihrer Unterstützung für die Ukraine politische und strategische Ziele. Es gehe, so John Herbst, nicht mehr nur darum, Putin zu stoppen. 

Russland schwächen - militärisch und wirtschaftlich. Wenn Russland eine zivilisierte Außenpolitik verfolgt, dann haben wir kein Interesse an einem schwachen Russland oder einem schwachen russischen Militär.

Streit um Umfang der finanziellen Hilfen

Russland, das hat US-Außenminister Blinken schon vor Wochen erklärt, soll so sehr geschwächt werden, dass es nicht mehr in der Lage ist, angrenzende Länder zu überfallen. Russland schwächen heißt, die Ukraine stärken. Rund 40 Milliarden Dollar will die Biden-Administration dafür bereitstellen.

57 republikanische Abgeordnete haben sich im Repräsentantenhaus dagegen ausgesprochen. Auch Ex-Präsident Trump macht Stimmung dagegen.

Wir müssen mehr Geld aufwenden für Finanzierung, Anwerbung und Ausbildung unserer Polizei. Wenn die Vereinigten Staaten 40 Milliarden Dollar in die Ukraine schicken können, dann müssen wir auch alles daransetzen, unseren Kindern hier Sicherheit zu bieten.

John Herbst vom Think Tank Atlantic Counsil hält den Gegnern des Hilfspakets für die Ukraine Kurzsichtigkeit vor.

Diese Opposition ist ignorant. Die erkennen nicht, dass Putin gefährlich ist für amerikanische Interessen in Europa. Es dient amerikanischen Interessen, wenn die Ukraine Putin in der Ukraine besiegt.

Ginge es nach John Herbst, dem Ex-US-Botschafter in der Ukraine, dann würden die USA noch weit mehr schwere und hochmoderne Waffen an die Ukraine liefern. Eine drohende Eskalation ginge seiner Meinung nach davon nicht aus. Putin verstehe und reagiere vor allem auf eine Sprache der Entschlossenheit und Stärke.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Juni 2022 um 07:47 Uhr.