Während schwerer Kämpfe an der Front in Sjewjerodonezk in der Region Luhansk liegen ausgebrannte Autowracks am Rand eines Wegs. | dpa

Kampf um Sjewjerodonezk Russen verdrängen Ukrainer aus Stadtzentrum

Stand: 13.06.2022 20:11 Uhr

Russische Truppen haben den größten Teil von Sjewjerodonezk unter ihre Kontrolle gebracht. Die ukrainische Armee räumte ein, aus dem Zentrum verdrängt worden zu sein. Zudem soll die letzte Brücke in die Stadt zerstört sein.

Nach wochenlangen heftigen Kämpfen ist die ukrainische Armee nach eigenen Angaben aus dem Zentrum der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk in der Donbass-Region zurückgedrängt worden. Der russischen Armee sei es mit Unterstützung ihrer Artillerie "teilweise" gelungen, die ukrainischen Soldaten im Stadtzentrum zurückzudrängen, teilte der ukrainische Generalstab auf Facebook mit.

Auch der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, berichtete von einem "teilweisen" Erfolg der russischen Truppen. Die Russen zerstörten Stadtteil nach Stadtteil, erklärte er auf Facebook. 

Am Abend teilte Hajdaj per Telegram mit, dass die russische Armee auch die dritte und letzte Brücke aus Sjewjerodonezk über den Fluss Síwerskyj Donez zerstört habe. Damit sei Sjewjerodonezk zwar nicht vollständig abgeriegelt. Es sei aber nicht möglich, Zivilisten zu evakuieren oder Hilfslieferungen in die Stadt hineinzubringen, so Hajdaj.

"Kampf um jeden Meter"

Einige Stunden zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, im strategisch wichtigen Sjewjerodonezk werde "buchstäblich um jeden Meter gekämpft". Am Samstag kontrollierten ukrainische Truppen eigenen Angaben zufolge noch rund ein Drittel der Stadt.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/12.06.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/12.06.2022

Sjewjerodonezk ist seit Tagen Zentrum der heftigen Kämpfe im Gebiet Luhansk, das russische und prorussische Kämpfer bereits zu mehr als 90 Prozent erobert haben. Beschossen wird in Sjewjerodonezk auch die Chemiefabrik Azot, in der ukrainischen Angaben zufolge weiter Zivilisten ausharren, die das Werksgelände als Luftschutzbunker nutzten.

Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind die beiden letzten Städte in Luhansk, die Russland noch nicht eingenommen hat. Eine Eroberung von Sjewjerodonezk dürfte die russischen Truppen erheblich bei ihrem Versuch voranbringen, die Kontrolle über den kompletten Donbass in der Ostukraine zu erlangen.

Ukraine bittet abermals um deutsche Waffen

Unterdessen bat Selenskyj abermals um moderne Luftabwehrsysteme. Von dem laut einem Medienbericht anstehenden Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Kiew erhofft sich die Ukraine die Zusage zur sofortigen Lieferung deutscher Panzer.

"Ohne deutsche schwere Waffen wird es uns leider nicht gelingen, die gewaltige militärische Überlegenheit Russlands zu brechen und das Leben von Soldaten und Zivilisten zu retten", sagte der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk der Nachrichtenagentur dpa.

"Die Ukrainer erwarten, dass der Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch in Kiew ein neues Hilfspaket deutscher Rüstungsgüter verkünden wird, das unbedingt sofort lieferbare Leopard-1-Kampfpanzer sowie Marder-Schützenpanzer beinhalten soll", so Melnyk.