Ukrainische Soldaten liegen auf einem Panzer und sitzen Fahrzeugen in der Nähe von Sjewjerodonezk (Archivbild) | dpa

Krieg gegen die Ukraine Russen rücken in Sjewjerodonezk weit vor

Stand: 01.06.2022 07:06 Uhr

Russische Streitkräfte haben Sjewjerodonezk offenbar weitgehend unter Kontrolle. Damit stünden sie vor einem Kriegsziel: das Gebiet Luhansk zu erobern. Der ukrainische Präsident Selenskyj will mit schweren Waffen besetzte Gebiete zurückerobern.

In der ostukrainischen Region Luhansk stehen die russischen Truppen kurz davor, die letzte Bastion der ukrainischen Streitkräfte zu stürzen. Fällt die umkämpfte Gebietshauptstadt Sjewjerodonezk, hätte Russland eines seines Kriegsziele erreicht: die komplette Kontrolle des Gebiets Luhansk.

Von dort aus könnten die russischen Truppen und die moskautreuen Separatisten weiter nach Westen vorrücken, um im Gebiet Donezk die strategisch wichtigen Städte Slowjansk und Kramatorsk einzunehmen.

Sjewjerodonezk ist seit Tagen schwer umkämpft. Der Anführer der von Kremlchef Wladimir Putin als Staat anerkannten Volksrepublik Luhansk, Leonid Passetschnik, sagte, dass inzwischen zwei Drittel der Stadt unter Kontrolle prorussischer Kräfte seien.

Laut Gouverneur 90 Prozent der Gebäude beschädigt

Der ukrainische Gouverneur des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj, sagte, der Großteil von Sjewjerodonezk sei inzwischen unter russischer Kontrolle. Trotzdem gäben die ukrainischen Verteidiger nicht auf. 90 Prozent der Gebäude in der Stadt seien beschädigt, bei 60 Prozent lohne sich der Wiederaufbau nicht, sagte er. Von den einmal 100.000 Einwohnern sollen noch 12.000 geblieben sein.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Bei Gefechten gab es in einer Chemiefabrik für Salpetersäure einen Zwischenfall. Die ukrainischen Behörden sprachen von einem russischen Luftangriff auf das Werk. Die prorussischen Separatisten teilten dagegen mit, es sei dort zu einer Explosion gekommen.

Selenskyj will mit schweren Waffen Gebiete zurückerobern

Die US-Regierung kündigte derweil an, im Rahmen eines neuen Sicherheitspakets moderne Mehrfachraketenwerfer zu liefern. Sobald es diese schweren Waffen gebe, solle die Armee mit der Befreiung der von Russland besetzten Gebiete beginnen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Die Ukraine werde sich nicht beeilen mit der Zurückeroberung ihrer Territorien, wenn das Zehntausende von Opfern fordere, sondern vielmehr auf die nötigen Waffen warten, sagte Selenskyj in Kiew bei einem Treffen mit der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova.

Russen halten offenbar Manöver ab

Die russischen Atom-Streitkräfte führen nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax in der nordöstlich von Moskau gelegenen Provinz Iwanowo Truppenübungen durch. Etwa 1000 Soldaten würden umfangreiche Manöver mit mehr als 100 Einsatzfahrzeugen abhalten, darunter auch Trägerraketen für ballistische Interkontinentalraketen vom Typ Jars, berichtet Interfax unter Berufung auf das russische Verteidigungsministerium.

Der Bericht konnte bislang nicht unabhängig überprüft werden.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/31.05.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/31.05.2022

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juni 2022 um 08:00 Uhr.