Ein Mitarbeiter arbeitet an einem Teil einer Erdgasleitung am Gelände der Gas Connect Austria Verdichterstation in Baumgarten An Der March (Österreich). | dpa

Gaslieferungen in Europa Gazprom reduziert in weiteren Ländern

Stand: 16.06.2022 16:34 Uhr

Tschechien, die Slowakei und Österreich melden, dass der russische Energiekonzern Gazprom verringerte Gasmengen liefert. In Deutschland ist die gelieferte Menge auf 40 Prozent der technischen Kapazität gesunken.

Nicht nur Deutschland muss mit reduzierten Gaslieferungen aus Russland umgehen, auch Tschechien, die Slowakei und Österreich melden Einschränkungen. Dem tschechischen Versorger CEZ zufolge hängen diese mit technischen Problemen zusammen. Der slowakische Gasimporteur SPP stellte eine Reduzierung von rund 30 Prozent fest.

Der Lieferant Gazprom habe über eine Reduzierung informiert, teilte ein Sprecher des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV mit. "Wir werden diese Mengen, sofern aufgrund des geringeren Gasbedarfs überhaupt notwendig, durch Speichermengen und Mengen vom Spotmarkt ersetzen", so der Sprecher. Die Versorgung sei sichergestellt.

Nur noch 40 Prozent der Kapazität

Am Dienstag hatte Gazprom die maximalen Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland um 40 Prozent reduziert. Als Begründung nannte der Konzern, dass sich die Reparatur von Gas-Kompressoren verzögert.

In der vergangenen Nacht verringerte der Konzern die Lieferungen weiter. Die Liefermenge erreichte am Morgen ungefähr 40 Prozent der technischen Kapazität.

Leitung könnte komplett stillgelegt werden

Bei der Drosselung sei aktuell kein Ende in Sicht, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller. "Die Turbine liegt in der Fabrik, Siemens kann sie nicht abholen, und nicht alle anderen Turbinen passen", so Miller in St. Petersburg. Die stillgelegte Pipeline Nord Stream 2 sei aber einsatzbereit.

Beim internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg erklärte der russische EU-Botschafter, die Leitung der Ostseepipeline Nord Stream 1 könnte komplett stillgelegt werden. "Ich denke, das wäre eine Katastrophe für Deutschland", sagte er in der russischen Zeitung "Kommersant".

Habeck: Politische Entscheidung

Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge ist die Lage ernst, aber die Versorgung mit Gas weiterhin gesichert. "Aktuell können die Mengen am Markt beschafft werden, wenn auch zu hohen Preisen. Es wird aktuell noch eingespeichert", teilte eine Sprecherin mit.

Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte, dass es sich nicht um ein technisches Problem handele, sondern um eine politische Entscheidung. Die vergangenen Tage zeigten, dass man sich aus der Abhängigkeit von Russland befreien müsse. Es sei auch eine Frage der nationalen Sicherheit, die erneuerbaren Energien auszubauen.

Aufruf zum Energiesparen

Habeck rief dazu auf, jetzt Energie zu sparen. Jede Kilowattstunde helfe.

Auch die Bundesnetzagentur unterstreicht den Aufruf. "Die Bundesnetzagentur unterstützt ausdrücklich die Aufforderung, so viel Gas wie möglich einzusparen", heißt es im Lagebericht zur Gasversorgung der Behörde. Die Versorgungssicherheit sei aber aktuell gewährleistet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juni 2022 um 17:00 Uhr.