Hohe Wellen treffen während des Sturms "Eunice" auf die Küste von Cornwall | REUTERS

Tief "Eunice" Großbritannien warnt vor schweren Sturmböen

Stand: 18.02.2022 14:12 Uhr

Erste Ausläufer des Sturmtiefs haben die englische Küste erreicht. Für London wurde erstmals eine Sturmwarnung der Alarmstufe rot herausgegeben. Unwetterwarnungen gibt es auch für Frankreich und die Niederlande.

Millionen Menschen in der britischen Hauptstadt, dem Süden Englands sowie in Wales sind wegen stürmischen Wetters dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Wie der britische Wetterdienst Met Office mitteilte, droht wegen umherfliegender Trümmerteile bei Sturmgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde Lebensgefahr. Zu rechnen sei mit abgedeckten Dächern, entwurzelten Bäumen und Störungen im Zug- und Schiffsverkehr. Menschen an der Küste wurden vor großen Wellen und Überschwemmungen gewarnt.

Es sei mit "bedeutenden Störungen und gefährlichen Bedingung wegen extrem starken Winds" zu rechnen, erklärte das Met Office. So könnten Dächer fortgeweht sowie Bäume und Stromleitungen umgerissen werden. Es bestehe "Lebensgefahr". Bei dem Sturmtief "Eunice", das in Deutschland "Zeynep" getauft wurde, könnte es sich laut einem Bericht der BBC um einen der schwersten Stürme in dem Land seit Jahrzehnten handeln.

Erstmals Alarmstufe rot für London

Die britische Wetterbehörde gab zum ersten Mal für die Hauptstadt London eine Sturmwarnung der Alarmstufe rot heraus, seit diese Kategorisierung 2011 eingeführt worden war. Für Teile Cornwalls und den Süden von Wales war schon vorher Alarmstufe rot ausgerufen worden. "Es ist ungewöhnlich, dass es eine rote Wetterwarnung gibt", hob der Staatsminister im Innenministerium, Damian Hinds, im Sender Times Radio hervor. "Es ist sehr ungewöhnlich, zwei davon zu haben." Er rief die Bevölkerung auf, Vorkehrungen zu treffen. "Bitte bleiben Sie in Sicherheit", appellierte der Staatsminister.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan warnte die Menschen davor, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. "Ich rufe alle Londoner dazu auf, zu Hause zu bleiben, gehen Sie keine Risiken ein und reisen Sie nicht, es sei denn, es ist unbedingt notwendig", schrieb Khan auf Twitter.

Vorkehrungen im Verkehrsbereich

Mehrere Fährverbindungen zwischen Dover und Calais wurden gestrichen. Auch mehrere nationale Bahnbetreiber rieten von Reisen ab. In Wales wurde der Zugverkehr heute komplett eingestellt. Thronfolger Prinz Charles hatte wegen der Warnungen einen Besuch in Wales abgesagt.

Die Londoner Flughäfen Heathrow und City Airport bereiteten Passagiere auf Verspätungen und Flugausfälle vor. Im Südwesten Englands traf der Sturm bereits auf Land und verursachte erste Schäden. In Cornwall fiel Berichten zufolge in mehreren Hundert Haushalten der Strom aus. Auf Videos in den sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie das Dach des Millenium Domes in London durch den Wind beschädigt wurde.

Die britische Umweltbehörde gab für den Westen Englands zehn Flutwarnungen heraus. Der Bahnbetreiber Network Rail rief dazu auf, Reisepläne wegen des drohenden Unwetters zu überdenken. Wegen Sturmschäden an Straßen, Brücken und Bahntrassen gab es bereits Verspätungen und Ausfälle im Bus- und Bahnverkehr.

Mehr als 55.000 Haushalte in Irland ohne Strom

In London wurde der Zugverkehr während der morgendlichen Stoßzeit eingeschränkt. Mehrere Brücken wurden gesperrt. Bereits am Mittwoch hatte der Sturm "Dudley", der in Deutschland "Ylenia" genannt wird, für Verkehrschaos und Stromausfälle in Großbritannien gesorgt, aber keinen größeren Schaden angerichtet. Wegen der befürchteten schwereren Schäden durch "Eunice" wurde die Armee in Bereitschaft versetzt, wie der britische Premierminister Boris Johnson gestern sagte.

In den Grafschaften Devon, Cornwall und Somerset im Südosten Englands sowie an der Südküste von Wales blieben die Schulen heute geschlossen. Für Schottland und Nordengland wurden heftige Schneefälle vorhergesagt. 

Auch Irlands Wetterbehörde gab eine Sturmwarnung heraus. Es werde "schweren und verheerenden Wind" geben und womöglich Überflutungen an Irlands Südküste, hieß es. Alle Schulen im Land blieben geschlossen. Der öffentlich-rechtliche Sender RTE berichtete, durch den Sturm seien am Morgen mehr als 55.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten worden.

Unwetterwarnungen in Frankreich und den Niederlanden

Alarmiert sind auch die Behörden in Frankreich und den Niederlanden. In Frankreich hat der Wetterdienst eine Unwetterwarnung für fünf Departements im Norden erlassen. Es drohten Windgeschwindigkeiten bis zu 140 Kilometern pro Stunde und bis zu vier Meter hohe Wellen an der Küste, teilte der Wetterdienst am Freitagmorgen mit. In den Niederlanden gilt für weite Teile des Landes die schwerste Stufe des Wetteralarms, Code Rot.

Die französische Bahn kündigte an, ab dem Mittag den Regionalverkehr im Norden und in der Normandie bis auf einzelne Ausnahmen einzustellen. Auch in Ostfrankreich wurde mit Behinderungen gerechnet. Die TGV-Züge sollten wie vorgesehen verkehren, der Hochgeschwindigkeitszug Thalys allerdings nicht bis in die Niederlande.

In den Niederlanden gilt der Wetteralarm insbesondere für die Küstenprovinzen im Westen, für den Norden sowie für die Regionen um das Ijsselmeer und das Wattenmeer. Ab etwa 14.00 Uhr wird der Sturm die Niederlande erreichen. Am Abend wird der Wind dann abschwächen, wie die Experten schätzen. Aus Vorsicht sollte der Zugverkehr ab 14.00 Uhr eingestellt werden, viele Schulen werden geschlossen. Beeinträchtigungen wurden auch für den Flugverkehr erwartet: Der Amsterdamer Flughafen Schiphol kündigte Ausfälle und Verspätungen an.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Februar 2022 um 14:00 Uhr.