Wellen schlagen gegen den Deich in Porthcawl, Wales, während der Sturm "Eunice" auf die Südküste trifft. | dpa

Mehrere Todesopfer "Eunice" wütet über Europa

Stand: 18.02.2022 23:26 Uhr

Das Sturmtief "Eunice" hat in Europa große Schäden angerichtet. In mehreren Ländern kamen Menschen ums Leben. Vielerorts war der Bahnverkehr unterbrochen, Flüge wurden gestrichen. Zehntausende Haushalte waren ohne Strom.

Einen Tag nach einem Sturm mit jeweils drei Todesopfern in Deutschland und Polen ist Europa erneut von einem Orkantief heimgesucht worden. Durch das international "Eunice" und in Deutschland "Zeynep" genannte Sturmtief kamen in den Niederlanden mindestens vier Menschen ums Leben. In Amsterdam wurden drei Menschen durch umstürzende Bäume erschlagen, wie die Feuerwehr mitteilte. In Diemen im Osten der Hauptstadt starb ein Mensch, nachdem ein Baum auf sein Auto gefallen war. Im Süden des Landes wurde eine Frau schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert.

Die Bürger wurden mit einem Notruf auf ihren Handys aufgerufen, nicht auf die Straße zu gehen. Der Sturm mit orkanartigen Böen legte das öffentliche Leben in großen Teilen des Landes lahm. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt und Lastwagen stürzten um. In Den Haag blies der Wind das Dach von einem Fußballstadion. Außerdem wurden dutzende Häuser evakuiert, weil befürchtet wurde, dass ein Kirchturm einstürzen könnte. Aufnahmen zeigten, wie das Gebäude wankte und ein großes Trümmerstück auf ein Auto fiel. Der Zug- und öffentliche Nahverkehr wurden eingestellt. Schulen sowie Test- und Impfzentren schlossen.

Die extremen Wetterbedingungen sorgten auch für Ausfälle und Verspätungen am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Wegen des Sturmtiefs hatten die Niederlande die höchste Sturmwarnung "Rot" herausgegeben. An der niederländischen Küste wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 141 Kilometern pro Stunde gemessen. 

Auch Tote in Belgien, England und Irland

In Belgien kam ein 79-jähriger Mann aus Kanada ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Im Südosten Irlands wurde nach Polizeiangaben ein Mann durch einen umstürzenden Baum getötet. Auch die irische Wetterbehörde gab eine Sturmwarnung heraus. Alle Schulen in dem EU-Land blieben geschlossen. In mehr als 80.000 Haushalten und Geschäften fiel der Strom aus.

In Großbritannien starben mindestens drei Menschen. In London kam nach Angaben der Polizei eine junge Frau in einem Auto um Leben, nachdem ein Baum auf das Fahrzeug gestürzt war. Im Nordwesten Englands starb ein Mann, nachdem Trümmerteile auf die Windschutzscheibe seines Fahrzeugs fielen.

Erstmals Alarmstufe Rot in London

In London wurde die höchste Warnstufe Rot ausgerufen, erstmals seit diese Kategorisierung 2011 eingeführt worden war. Sie gilt auch für Teile Südwest- und Südostenglands sowie Wales. Für Schottland und Nordengland wurden heftige Schneefälle vorhergesagt. Auf der Isle of Wight vor Englands Südküste traf "Eunice" mit Rekord-Windgeschwindigkeiten von 196 Stundenkilometern auf Land. Dies sei nach vorläufiger Einschätzung "die stärkste jemals in England gemessene Bö", teilte die britische Wetterbehörde Met Office mit.

Wegen umherfliegender Trümmerteile bestehe Lebensgefahr, warnte der Wetterdienst. Auf Videos, die im Internet kursierten, war zu sehen, wie die Bespannung des Millennium Domes im Londoner Stadtteil Greenwich teilweise fortgerissen wurde. An den Flughäfen Heathrow und dem London City Airport wurden Dutzende Flüge gestrichen, der Fährverkehr über den Ärmelkanal wurde ausgesetzt. Der Hafen von Dover wurde geschlossen, nachdem zuvor Fährverbindungen reihenweise gestrichen worden waren.

Britische Armee in Bereitschaft

Auch mehrere nationale Bahnbetreiber rieten von Reisen ab. In Wales wurde der Zugverkehr komplett eingestellt. In mehr als 140.000 Haushalten in England fiel der Strom aus, wie der Netzbetreiber mitteilte. Auf den Londoner Flughäfen wurden hunderte Flüge gestrichen, der Fährverkehr über den Ärmelkanal wurde ausgesetzt. In Wales stellten alle Züge und Busse ihre Fahrten ein.

Die britische Armee wurde wegen des Sturms in Bereitschaft versetzt. Ein Vertreter der britischen Umweltbehörde warnte davor, auf der Jagd nach dramatischen Aufnahmen an die Küsten zu gehen. Dies wäre "wahrscheinlich das Dümmste, was Sie tun können", sagte er.

Frankreich schränkt Verkehr ein

Auch in Deutschland, Dänemark und Frankreich sorgte der Sturm für Verkehrsbehinderungen. In der nordfranzösischen Bretagne verursachte "Eunice" bis zu vier Meter hohe Wellen und beeinträchtigte den regionalen Bahnverkehr.

Die französische Bahn stellte den Regionalverkehr im Norden und in der Normandie bis auf einzelne Ausnahmen ein. Auch in Ostfrankreich wurde mit Behinderungen gerechnet. Die TGV-Züge sollten wie vorgesehen verkehren, der Hochgeschwindigkeitszug Thalys allerdings nicht bis in die Niederlande. Auch in Belgien war der Bahnverkehr beeinträchtigt und die Behörden riefen die Bürger auf, nur in dringenden Fällen das Haus zu verlassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Februar 2022 um 12:00 Uhr.