Demonstranten in Barcelona protestieren gegen die Inhaftierung des Rappers Pablo Hasél.  | dpa

Spanischer Rapper Weitere Proteste gegen Haft für Hasél

Stand: 19.02.2021 16:44 Uhr

Der spanische Rapper Pablo Hasél wurde zu neun Monaten Haft verurteilt, weil er unter anderem Ex-König Juan Carlos beleidigte. Seine Anhänger sehen das als Angriff auf die Meinungsfreiheit - die Proteste eskalieren.

Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

"Libertad Pablo Hasél": Mehrere hundert Demonstranten fordern Freiheit für den Rapper und ziehen durch die Straßen von Barcelona und anderen katalanischen Städten. Auch in Valencia und Madrid kommt es zu Protesten, die an einigen Stellen auch in Gewalt umschlagen. Einzelne Teilnehmer werfen Steine und Feuerwerkskörper in Richtung der Polizei. Diese reagiert mit Schaumstoffgeschossen. Müllcontainer und Straßen-Barrikaden stehen in Flammen.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Seit mehreren Tagen sorgen diese Bilder in Spanien für Diskussionen. Vize-Regierungschefin Calvo verurteilte die Ausschreitungen: "Man kann kein Recht dadurch verteidigen, dass man Gewalt zeigt. Damit ist eine rote Linie überschritten." Es gebe nicht angekündigte Demonstrationen, Festnahmen, Verletzte und materielle Schäden, sagte Calvo. "Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun."

Sánchez will Meinungsfreiheit besser schützen

In einer Demokratie wie Spanien sei Gewalt als Mittel des Protestes inakzeptabel, so Ministerpräsident Pedro Sánchez. Er räumte ein, dass es beim Recht auf freie Meinungsäußerung in Spanien Defizite gebe. Seine Regierung habe schon klargestellt, dass sie die rechtlichen Grundlagen für den Schutz der Meinungsfreiheit verbessern wolle.

Genau diese Meinungsfreiheit sehen die Anhänger von Pablo Hasél in Spanien in Gefahr. Sie sind der Ansicht - wie der Rapper selbst -, dass seine Texte und Tweets durch die Meinungsfreiheit gedeckt sein müssen.

Als Polizisten Hasél abführten, streckte er noch die geballte Faust in die Luft und rief in Richtung der Kameras: "Sie werden unseren Kampf nicht stoppen" und "Totale Amnestie". Der Rapper hatte sich in der Universität seiner Heimatstadt Lleida verschanzt, zusammen mit einigen Anhängern.

"Wahrscheinlich werde ich zweieinhalb Jahre sitzen"

Von dort brachte ihn die Polizei gleich ins Gefängnis - vor den Augen hunderter Fans. Was ihn genau erwarte, wisse er selbst nicht, hatte Hasél kurz zuvor in einem Telefoninterview mit dem ARD-Studio Madrid gesagt. "Ich bin ja zu neun Monaten Haft verurteilt worden, dazu kommt eine größere Geldstrafe", sagte der Rapper. "Wenn ich die nicht zahle, und das habe ich nicht vor, wird die in weitere Gefängnismonate umgewandelt."

Das Urteil sei ungerecht, so Hasél. "Wahrscheinlich werde ich zweieinhalb Jahre sitzen. Dazu kommen noch Bewährungsstrafen aus anderen Urteilen, die nun fällig werden. Es könnte sein, dass ich 20 Jahre in Haft bleiben muss."

Denn Hasél hatte schon öfter Ärger mit der Justiz. Zum einen wegen seiner expliziten Texte. Zum anderen aber auch, weil er einmal mit einem Journalisten aneinandergeraten war und ihn verletzte.

Pablo Hasél streckt bei seiner Festnahme eine Faust in die Höhe. | AP

Pablo Hasél streckt bei seiner Festnahme eine Faust in die Höhe. Bild: AP

Rapper kritisiert krumme Geldgeschäfte des Ex-Königs

Beim aktuellen Urteil geht es um den Song "Juan Carlos el Bobón" (zu deutsch: Juan Carlos der Dussel). Der Text handelt vom spanischen Ex-König. Der katalanische Rapper kritisiert explizit dessen ausschweifenden Lebensstil und die krummen Geldgeschäfte, in die Juan Carlos verwickelt sein soll.

Neben diesem Song störte sich die Staatsanwaltschaft an 64 Tweets des Rappers, in denen er Juan Carlos als "Parasit", als "Mafioso", "kriminell" und die Monarchie als "mittelalterlich" bezeichnete. An anderer Stelle ruft Hasél zu Gewalt an Politikern auf. Ein Gericht verurteilte ihn daher nicht nur wegen der "Beleidigung und Verunglimpfung der Krone" - auch wegen "Verherrlichung des Terrorismus".

Amnesty International prangert "Maulkorbgesetz" an

"Man muss die Musik von Pablo Hasél gar nicht gehört haben, um zu erkennen, dass eine Haftstrafe Unsinn ist", sagt Haséls Rapper-Kollege C. Tangana in einem Video vom Amnesty International. "Amnesty fordert die spanische Regierung seit Jahren auf, die Gesetze zu ändern, damit solche ungerechten Strafen nicht mehr möglich sind."

Die Menschenrechtsorganisation prangert vor allem das sogenannte "Maulkorbgesetz" an. Die konservative Regierung Spaniens, die bis 2018 im Amt war, hatte es auf den Weg gebracht. Dieses Gesetz ermöglicht den Behörden, die Versammlungs- und die Meinungsfreiheit stark einzuschränken. Laut Amnesty International führt es nun dazu, dass zum ersten Mal in Europa ein Rapper ins Gefängnis muss, nur weil er das ausgesprochen hat, was er denkt.

Auch mehr als 200 Künstler haben sich mit Hasél solidarisiert, darunter Regisseur Pedro Almodóvar und Schauspieler Javier Bardem. Eine Inhaftierung Haséls sei ein Damoklesschwert über den Köpfen aller öffentlichen Personen, die es wagten, staatliche Institutionen zu kritisieren, schreiben sie in einer Petition.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Februar 2021 um 02:00 Uhr.