Teilnehmer eines Testkonzerts in Barcelona (26. März 2021) | REUTERS

Nach Testkonzert in Barcelona Hoffnungsschimmer für Veranstaltungen

Stand: 27.04.2021 19:19 Uhr

Gibt es ein Licht am Ende des kulturlosen Corona-Tunnels? Das zumindest legt die Bilanz eines Testkonzerts in Barcelona Ende März nahe. Die Stadt plant schon einen Konzertsommer.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Ende März hatte das Testkonzert stattgefunden - im "Palau de Sant Jordi", der eigentlich für 24.000 Menschen zugelassen ist. Die Besucher mussten sich vorher testen lassen, dann spielten die Indie-Poprocker von "Love of Lesbian". Die Konzertbranche feierte damals ein "historisches Ereignis" und begleitende Wissenschaftler haben jetzt ihre Schlussfolgerungen veröffentlicht. Sie stellen fest: Ein Superspreading-Event sieht anders aus.

Reinhard Spiegelhauer

"Das ist vielleicht das bewegendste Konzert in unserem Leben", sagte damals Sänger Santi von "Love of Lesbian", bevor er loslegte. 5000 glückliche Menschen standen und tanzten dicht an dicht. Endlich wieder ein Konzert, endlich wieder Livemusik und vor allem endlich wieder viele zusammen. Alle hatten am Vormittag in einem von drei Testzentren einen Antigen-Test gemacht, die Kameras der Konzertveranstalter waren für ein Promo-Video dabei.

Alle hätten den Sicherheitsabstand in der Schlange eingehalten, alles sei ordentlich gelaufen, überall Desinfektionsmittel, stellten damals junge Konzertbesucher fest, kurz nachdem sie sich hatten testen lassen: "Hoffentlich können wir so im Sommer mehr Konzerte und mehr Kultur erleben."

Das hoffen vor allem auch die Künstlerinnen und Künstler sowie Veranstalter. Einen Sommer ohne Konzerte stehen sie nicht mehr durch, sagen sie. Deshalb der Pilotversuch - und die Wissenschaftler, die das Experiment begleitet haben, heben nun den Daumen.

Zwei Ansteckungen nicht ganz ausgeschlossen

Es habe geklappt, so viele Menschen relativ kurz vor dem Konzert schnell und geordnet zu testen. Bisher hieß es oft, das könne man logistisch nicht hinkriegen. Für den Infektionsspezialisten Josep Maria Llibre von der Universitätsklinik Germans Trias i Pujol ist das eine wichtige Erkenntnis aus dem Versuch. Sein Kollege Boris Revello ergänzt: "Höchstwahrscheinlich hat sich beim Konzert tatsächlich niemand angesteckt, auch wenn zwei Wochen danach sechs Konzertbesucher positiv getestet worden sind."

Vier hätten sich nachweislich woanders angesteckt, bei zwei Besuchern können es die Forscher nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen. Sie halten es aber wegen der FFP2-Maskenpflicht für extrem unwahrscheinlich. Und auf keinen Fall sei das ganze ein "Superspreading Event" gewesen, sagen Llibre und seine Kollegen.

Und noch etwas heben die Mediziner hervor: Die Konzertbesucher hätten sich an die Vorgabe gehalten, keine Klumpen zu bilden und die Masken aufzubehalten. Das ist vielleicht aber auch eine der größten Schwächen des Versuchs: Denn allen, die dabei waren, war klar, worum es geht. Um einen Testlauf für mögliche reguläre Veranstaltungen in naher Zukunft. Ob es bei regulären Konzerten so bliebe, kann niemand sagen. Und die Wissenschaftler geben zu, die Sicherheitsvorkehrungen mit Sicherheitskräften durchzusetzen, wäre wahrscheinlich keine Option.

Barcelona unterstützt Veranstalter finanziell

Überhaupt gilt die positive Bilanz erst einmal nur für das konkrete Setting: 5000 Menschen in einer Halle, die für bis zu 24.000 ausgelegt ist, mit verstärkter Lüftung und FFP2-Masken. Größere oder kleinere Räume? Vielleicht sogar Antigen-Schnelltests zu Hause statt im Testzentrum? Das müsste neu untersucht werden.

Aber inzwischen werden in vielen Ländern ähnliche Versuche gemacht, sagen die Forscher. "Wir lernen, wir tasten uns an die Möglichkeiten heran." Und der Chef der Stiftung zur Erforschung von Aids und anderen Infektionskrankheiten, Bonaventura Clotet, glaubt, dass im Sommer mehr Konzerte oder sogar Festivals möglich sein werden.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind teuer. Die Stadt Barcelona will Konzertveranstalter deshalb mit einer halben Million Euro unterstützen. Veranstaltungen mit 1000 bis 2000 Besuchern sind geplant, die Metropole will ihren Ruf als Konzert- und Festivalstadt retten. Ob das mit Konzerten in dieser Größenordnung klappt, ist zwar die Frage - aber viele hoffen, dass es im Sommer vielleicht sogar Festivals geben könnte. Ein Stück Normalität.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. April 2021 um 18:10 Uhr.

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KOMMENTARE

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Anna-Elisabeth 28.04.2021 • 01:09 Uhr

@00:38 von fathaland slim 23:52, Kay1971

//Ich hoffe darauf, daß das Kulturleben hierzulande in einigen Monaten wieder langsam losgeht. Sobald die Gastronomie wieder ans Laufen kommt, werden auch wieder kleinere Livedarbietungen möglich sein. Hier ein Liedermacher, dort eine Kabarettistin, die Straße runter ein Jazztrio...// Ich hoffe mit Ihnen. Gerade jetzt würde ich gerne mal mit lieben Menschen in einem Café sitzen und einem Klavierspieler lauschen.