Ein italienischer Polizist steht im Hafen von Pozzallo (Sizilien, Italien), während die "Sea-Eye 4" andockt. | EPA

Seenotrettung im Mittelmeer "Sea-Eye 4" in Palermo festgesetzt

Stand: 05.06.2021 12:35 Uhr

Weil die "Sea-Eye 4" zu viele gerettete Menschen an Bord hatte, ist sie von italienischen Behörden in Palermo festgesetzt worden. Die Hilfsorganisation kritisiert die "groteske" Begründung für die Entscheidung.

Die italienischen Behörden haben ein Schiff der deutschen Seenotrettungsorganisation Sea-Eye im Hafen der sizilianischen Stadt Palermo festgesetzt. Man wisse nicht, für wie lange die "Sea-Eye 4" dort bleiben müsse, sagte der Vorsitzende der Organisation, Gorden Isler, der Nachrichtenagentur dpa. Als Grund hatten die Behörden ihm zufolge unter anderem angeführt, dass zu viele Menschen auf dem Schiff transportiert wurden.

Die angeführte Begründung der Behörden bezeichnete die Organisation als grotesk. "Die große Anzahl der geretteten Personen" gehe über die erlaubte Zahl hinaus, für die das Schiff zertifiziert sei, zitierten die Seenotretter aus dem Bericht der italienischen Küstenwache. Dies "stellt eine ernste Gefahr für das Schiff und die Besatzung dar".

Die italienischen Behörden begründeten die Festsetzung laut Isler damit, dass das Schiff nicht als Rettungsschiff klassifiziert sei und deshalb andere Regeln zum Beispiel beim Abwassersystem oder der erlaubten Zahl von Menschen an Bord gelten. Das Problem für die Organisation sei, dass es unter der deutschen Flagge die von den italienischen Behörden verlangte Rettungsschiff-Klassifizierung nicht gebe, so Isler. Sea-Eye fordert deshalb Unterstützung aus Deutschland.

Ehrung in Palermo

"Im Prinzip geht es immer wieder darum, dass argumentiert wird, die deutschen Rettungsschiffe würden regelmäßig zu viele Menschen vor dem Ertrinken retten", erklärte der Grünen-Politiker Isler. Der Kapitän der "Sea-Eye 4" sei jedoch "der Pflicht zur Seenotrettung vorbildlich nachgekommen". "Er hat Seenotfälle gesehen und eine sichere Rettung durchgeführt."

Die "Sea-Watch 4" war im Mai erstmals ausgelaufen und hatte nach Angaben der Organisation 408 Menschen auf See gerettet, darunter 150 Kinder. Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, hatte die Crew der "Sea-Eye 4" deshalb gestern noch als "ehrenwerte Bürger" der Stadt bezeichnet.

Vier deutsche Rettungsschiffe festgesetzt

Das Schiff ist den Angaben zufolge das vierte Rettungsschiffe unter deutscher Flagge, das von Italien festgesetzt wurde. Betroffen sind demnach noch die "Alan Kurdi" sowie die "Sea-Watch 3" und "Sea-Watch 4". 

Seit Januar haben nach Angaben des Innenministeriums in Rom bereits tausende Menschen Italien über das Mittelmeer erreicht. Die meisten Boote starten aus Libyen und Tunesien. Mindestens 760 Menschen sind laut der UN seit Januar bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ertrunken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 05. Juni 2021 um 13:00 Uhr.