"Wir sind der russische Donbass" steht auf einem Banner in der abtrünnigen Stadt Donezk (Ost-Ukraine) | REUTERS

Russlands Einfluss im Donbass "Das ist Besatzungsverwaltung pur"

Stand: 11.02.2022 03:22 Uhr

Im Osten der Ukraine rufen die sogenannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk nach noch mehr militärischer Unterstützung aus Russland. Die Separatistengebiete hängen am Tropf Moskaus, das seinen Einfluss gezielt und stetig ausbaut.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Die Rufe aus den sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk werden immer lauter, Russland möge doch russische Truppen und Waffen schicken. Ein einflussreicher Kommandeur, der in der Region Donezk eine Militäreinheit befehligt, fordert 30.000 russische Soldaten zur Unterstützung. Sollte es zu einer ukrainischen Großoffensive kommen, wäre man sonst unterlegen.  

Stephan Laack

Leonid Passetschnik, Anführer im Luhansker Separatistengebiet, führt Waffenlieferungen aus dem Westen als Grund an, weshalb sich die Situation immer mehr zuspitze. Im staatlichen russischen Fernsehen sagte er:

Wir wissen, dass die Waffen, die der Westen an die ukrainischen Streitkräfte liefert, Offensivwaffen sind. Das ist das eine. Zum anderen bezahlt der Westen Militärausbilder, Söldner und Militärfachleute. Das spricht dafür, dass der Westen unverhohlen die Ukraine zu echten Kampfaktionen in der Ostukraine anspornt.

Lawrow wehrt Forderungen ab

Mittlerweile fordern auch vereinzelt Duma-Abgeordnete der Regierungspartei Geeintes Russland, Truppen in den Donbass zu entsenden. Der Kreml selbst reagiert zurückhaltend. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, man müsse sich an das Minsker Abkommen halten. Das ist der Friedensplan, der in der Ostukraine eine politische Lösung vorsieht. 

Laut Minsker Abkommen ist Russland zwar keine Konfliktpartei, doch der Einfluss Russlands in den sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk ist nachweislich enorm. Zurzeit sind in der Nähe Bataillone russischer Kampftruppen zusammengezogen.

Pässe im großen Stil verteilt

720.000 Pässe hat Moskau an die Menschen in den besetzten Gebieten des Donbass ausgegeben. Ein umstrittenes Dokument, das nicht alle freiwillig genommen haben - das sich für Inhaber aber auszahlt. Denn Russland zahlt dann Sozialleistungen wie Renten, Kindergeld, oder Arbeitslosenunterstützung

Und so ist Anschela, die in der Region Donbass lebt, äußerst dankbar. Dem russischen Staatsfernsehen sagt sie: "Für mich ist es sehr wichtig, diese Sozialleistungen zu erhalten, um meinen Haushaltskasse aufzubessern. Ohne Russland können wir gar nicht überleben."

Und Daniiel, Einwohner von Donezk, sieht auch berufliche Vorteile, die sich durch die enge Anbindung an Russland ergeben würden: "Hier kann man eine Ausbildung bekommen, die dann auch in Russland zählt, zum Beispiel als Mediziner oder als Ingenieur. Und anschließend kann man nach Russland gehen und dort arbeiten."

"Eine Enklave innerhalb der Ukraine"

Konstantin Skorkin, russische Journalist und Experte für den Donbass beschreibt in einem Podcast für das Internetportal Medusa die steigende Abhängigkeit der besetzten abtrünnigen Regionen von Moskau.

Da die Präsenz Russlands immer weiter steigt, auch über neue russische Staatsbürger, die Pässe bekommen haben, über die wirtschaftlichen und politischen Strukturen, bildet sich innerhalb der Ukraine eine Enklave , die komplett von Russland kontrolliert wird und die Innen- und Außenpolitik der Ukraine beeinflussen wird.

Und Denis Kasanski, ukrainischer Experte für die Region, sagte gegenüber dem Sender "Radio Svoboda", eine eigenständige und von Moskau losgelöste Politik gebe es in den Volksrepubliken nicht:

Das ist eine Besatzungsverwaltung pur, die nicht unabhängig ist. Sie bekommen ihre Hinweise von den Kuratoren in Moskau, in Russland. Sie erfüllen einfach die Aufgaben die sie bekommen.

Wird die Abspaltung von der Duma anerkannt?

In Kürze will ein Ausschuss der Duma über einen brisanten Punkt beraten. Nämlich ob über die Anerkennung der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk im Parlament diskutiert werden soll.

Sollte Moskau tatsächlich diese Gebiete als unabhängig anerkennen, wäre sicherlich eine weitere Eskalationsstufe erreicht.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 9. Januar 2022 um 18:40 Uhr.