Ein Patrouillenschiff fährt mit zwei Begleitbooten auf dem Ärmelkanal Streife. | dpa

Ärmelkanal Französische Marine rettet 126 Migranten

Stand: 11.09.2021 14:08 Uhr

Die französische Marine hat 126 Migranten aus dem Ärmelkanal gerettet. Die Menschen waren bei der Überfahrt nach Großbritannien in Seenot geraten und wurden der Grenzpolizei übergeben. Beide Länder streiten über den Umgang mit Migranten.

Die französische Marine hat erneut mehr als 100 Migrantinnen und Migranten beim Versuch des Übersetzens nach Großbritannien aus dem Ärmelkanal gerettet. Die französischen Behörden teilten mit, dass 43 Menschen - darunter Frauen und kleine Kinder - auf einem ersten Boot von einem Patrouillenboot in Sicherheit gebracht worden seien, nachdem ihr Boot vor dem Hafen von Dünkirchen in Seenot geraten war.

Ein anderes Schiff rettete 40 Menschen in der Fahrrinne des Hafens von Calais sowie weitere 43 Menschen vor der Küste von Dünkirchen. Die 126 Menschen wurden medizinisch versorgt und an die französische Grenzpolizei in Dünkirchen übergeben.

Starke Zunahme der Überfahren

Die Zahl der Flüchtlinge, die die Überfahrt über den Ärmelkanal nach Großbritannien wagen, ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Ein Grund dafür ist die stärkere Überwachung der Routen via Fähre oder Tunnel. Die Überfahrt ist aufgrund des starken Schiffsverkehrs und tückischer Strömungen riskant.

Zwischen Anfang Januar und Ende August hatten nach Angaben der französischen Behörden mehr als 15.000 Menschen die Überfahrt versucht, viele von ihnen in überlasteten Schlauchbooten. Etwa 3500 von ihnen wurden aus Seenot gerettet. Nach Angaben der britischen BBC erreichten in diesem Jahr bereits mehr als 13.000 Migranten die englische Küste.

Im gesamten Jahr 2020 hatten knapp 9500 Menschen die Überfahrt versucht. Seit 2018 haben die französischen Behörden elf Todesfälle bestätigt und drei Menschen für vermisst erklärt.

Streit zwischen Frankreich und Großbritannien

Frankreich verfolgt die Politik, die Boote nicht aufzuhalten - es sei denn, sie rufen selbst um Hilfe. Andernfalls werden sie in britische Gewässer eskortiert. Darüber ist zuletzt ein Streit mit der britischen Regierung entbrannt, die ihrerseits einen Anti-Migrationskurs verfolgt. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte zuletzt im Parlament gefordert, "jedes erdenkliche Mittel" zu nutzen, um die Überquerungen der Meerenge zwischen England und Frankreich zu unterbinden.

Die britische Innenministerin Priti Patel drohte ihrem französischen Amtskollegen Gérald Darmanin gar mit der Kürzung bereits zugesagter Gelder, sollte Paris nicht mehr gegen illegale Migration am Ärmelkanal tun. Darmanin hatte daraufhin vor "finanzieller Erpressung" gewarnt, unter der die Kooperation beider Länder leiden könne.

Erst im Juli hatten beide Seiten ein neues Kooperationsabkommen vereinbart, um die wachsende Zahl der Migranten, die mit kleinen Booten über den Ärmelkanal nach England kommen, in den Griff zu bekommen. London sagte dabei 62,7 Millionen Euro zu, um die französischen Behörden zu unterstützen. Trotzdem bleibt die Zahl der Überquerungsversuche hoch.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 11. September 2021 um 14:30 Uhr.