Wembley Stadion | dpa

Großbritannien Stadionverbot für Rassisten?

Stand: 14.07.2021 21:44 Uhr

Wer andere im Netz rassistisch beleidigt, soll nach dem Willen der britschen Regierung künftig bei Fußballspielen Stadionverbot erhalten. Labour-Chef Starmer warf Premier Johnson vor, "Symbolpolitik" zu betreiben.

Nach verbalen Angriffen und Drohungen gegen schwarze Spieler der englischen Fußballnationalmannschaft will die britische Regierung rassistische Beleidigungen im Internet mit Stadionverboten ahnden. Es sei an der Zeit zu handeln, sagte Premierminister Boris Johnson im Unterhaus in London. Daher solle Online-Rassismus einer Liste der Vergehen hinzugefügt werden, für die Fans der Eintritt in Arenen verwehrt werde. Wer solcher Äußerungen im Internet für schuldig befunden werde, der dürfe nicht mehr zum Spiel gehen, sagte Johnson. "Kein Wenn und Aber, keine Ausnahmen, keine Ausreden."

Aktuell dürfen Gerichte Stadionverbote verhängen, wenn ein Fan eines "relevanten Vergehens" im Zusammenhang mit einem Spiel überführt wird. Dazu gehören ordnungswidriges Verhalten oder Waffenbesitz.

Nach ihren drei vergebenen Elfmetern im EM-Finale gegen die letztlich siegreichen Italiener im Londoner Wembley-Stadion am Sonntag waren die drei schwarzen Spieler Marcus Rashford, Bukayo Saka und Jadon Sancho im Netz rassistisch angefeindet worden. Das löste große Empörung und eine Debatte über Rassismus im Internet in Großbritannien aus.

"Symbolpolitik der übelsten Sorte"

Der Labour-Vorsitzende Keir Starmer warf Johnson laut BBC vor, sich nur für Stadionverbote einzusetzen, weil die Regierung begriffen habe, dass sie auf der falschen Seite sei - "und jetzt hofft, dass niemand es gemerkt hat". Starmer hatte schon zuvor entsprechende Stadionverbote gefordert, war damit aber bislang auf taube Ohren gestoßen.

Johnsons Kehrtwende bezeichnete Starmer als "Symbolpolitik der übelsten Sorte". Er kritisierte zudem, dass Johnson nicht verurteilt habe, dass Zuschauer die englische Mannschaft bei ihrem Kniefall gegen Rassismus vor Beginn der Spiels ausgebuht hatten. Der Premier habe Rassismus nicht "die rote Karte" gezeigt, sondern im Gegenteil "grünes Licht" gegeben.

Mann in Manchester festgenommen

Der von den rassistischen Anfeindungen betroffene Spieler Jadon Sancho äußerte sich zu den Vorfällen. Es sei "traurigerweise nichts Neues", schrieb der 21-Jährige auf Instagram und fügte hinzu: "Wir müssen als Gesellschaft besser lernen, Leute zur Verantwortung zu ziehen". Gleichzeitig zeigte sich der Borussia-Dortmund-Spieler, dessen Wechsel zu Manchester United unmittelbar bevorsteht, aber auch zuversichtlich. "Hass wird niemals siegen", schrieb Sancho.

In Manchester wurde inzwischen ein Mann festgenommen, weil er mutmaßlich eine strafrechtlich relevante Beleidigung gegen die Spieler ins Netz gestellt hatte. Wie die Greater Manchester Police mitteilte, stellte sich der 37-Jährige selbst auf einer Polizeiwache in der nordwestenglischen Metropole. Er werde vorläufig in Gewahrsam bleiben, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 14. Juli 2021 um 17:18 Uhr.