Queen Elizabeth II. trinkt Tee mit Paddington Bear | AFP
Kommentar

Thronjubiläum der Queen Humor und 70 Jahre Kontinuität

Stand: 05.06.2022 18:06 Uhr

Queen Elizabeth mag auf viele antiquiert wirken - nicht nur wegen ihrer 96 Jahre. Und doch ging die Feier ihres 70. Thronjubiläums auch Menschen nah, die nichts mit der Monarchie am Hut haben.

Ein Kommentar von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Wenn es um die Queen geht, werden stets ihr Pflichtgefühl und ihre Bedeutung für die Identität der britischen Nation betont. Und ihr Humor gehört zu den erwähnenswerten Eigenschaften, seit sie 2012 zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London in einem kurzen Film mit Geheimagent James Bond - angeblich - mit einem Fallschirm über dem Stadion absprang.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Bei den Thronjubiläumsfeierlichkeiten kam nun ein neues Humor-Kapitel dazu: Die Queen empfängt Kinderbuch-Bär Paddington zum Tee. Beides wohlgesetzte, sympathische Umarmungen der britischen Popkultur - auch wenn Kritiker twitterten, der illegale Einwanderer Paddington-Bär aus dem Urwald von Peru säße unter der aktuellen Regierung in einem Deportationsflieger Richtung Ruanda und nicht bei der Queen im Salon.

Politik nicht ganz außen vor

Die Tagespolitik flammte während der Queen-Festtage kurz auf, als Premierminister Boris Johnson beim Erklimmen der Stufen vor der St.-Pauls-Kathedrale vor dem Dankgottesdienst von royalistischen Schaulustigen lautstark ausgebuht wurde. Die verbotenen Lockdown-Parties können Johnson immer noch das Amt kosten.

Die Queen-Festtage lenkten für ein langes Wochenende von den sozialen und politischen Problemen des Landes ab. Und das Land hat die Queen wahrhaft und aufwändig gefeiert. Umfragen zeigen: Selbst Briten, die mit der Monarchie nicht viel am Hut haben, zollen der 96-jährigen Monarchin Respekt für ihre Lebensleistung. Und das gilt für alle Landesteile des politisch auseinanderstrebenden Königreichs.  

Die Queen hat keine echte Macht, aber sie hat eine starke Wirkmacht. Sie hat sich immer sehr klar an die Vorgabe politischer Neutralität gehalten. Von ihr hat man keine "Ruckreden" gehört, wie sie Bundespräsidenten halten können, sondern sie vermittelt in ihren Ansprachen eher softere Werte wie Solidarität und Zusammengehörigkeit.

Solidarisch nicht nur in der Pandemie

Als im Frühjahr 2020 Corona auch im Vereinigten Königreich wütete, spendete Elizabeth II. Trost und Hoffnung mit einer Ansprache mit dem markanten Satz "We will meet again", auf Deutsch: "Wir werden uns wiedersehen". Noch heute wird ihr attestiert, sie habe damals zwischen politischer Ratlosigkeit und medizinischem Notstand fast als Einzige den richtigen Ton angeschlagen.

Als sie im Corona-Frühling 2021 ihren Mann Philip zu Grabe tragen musste, verzichtete die Queen auf die angebotene Sondergenehmigung, mehr als die damals erlaubten 30 Trauergäste einzuladen. Sie zeigte Solidarität mit anderen Trauernden im Land, die sich von ihren Angehörigen auch unter diesen Bedingungen verabschieden mussten.

Man wird von der Queen auch keine vergleichbaren Sätze hören wie: "Der Islam gehört zu Deutschland". Aber als weltliches Oberhaupt der Anglikanischen Kirche hat sie durch persönliches Wirken enge Verbindungen mit Vertretern anderer Glaubensrichtungen auf- und ausgebaut und sich so für Glaubensvielfalt engagiert. 

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Innerlicher Abschied von der Monarchin

Über den Feierlichkeiten zum 70. Thronjubiläum lag ein Hauch von Abschied. Es dürfte vielen bewusst gewesen sein, dass dies wohl die letzte große Feier war, bei der die Königin noch persönlich auftreten und erfreut Anteil nehmen konnte. Die Zustimmung zur Staatsform der konstitutionellen Monarchie bröckelt langsam, aber stetig. Vor allem junge Menschen können mit Erbdynastien und den damit verbundenen altmodischen Ritualen nichts mehr anfangen und wünschen sich ein gewähltes Staatsoberhaupt.

Ob ein König Charles die Monarchie gegen den Trend des Zeitgeists wird verteidigen können, muss sich erst zeigen. Aber in den vergangenen Tagen hat jedenfalls ein zerrissenes Land noch einmal die Frau gefeiert, die der Nation in den vergangenen sieben Jahrzehnten ein Gefühl der Kontinuität vermittelt hat. Und jetzt muss man sich wieder auf die politischen Untiefen konzentrieren. Denn das Schicksal des Landes wird im Regierungssitz 10 Downing Street entschieden - und nicht im Buckingham-Palast.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juni 2022 um 17:21 Uhr.