Die vier Kinder von Queen Elizabeth II. stehen zur Totenwache in Edinburgh an den Seiten des Sarges mit den sterblichen Überresten der Monarchin | AFP

Feierlichkeiten in Edinburgh Schottland nimmt Abschied von der Queen

Stand: 13.09.2022 15:30 Uhr

Tausende Menschen sind zur St.-Giles-Kathedrale in Edinburgh gekommen, um sich von der verstorbenen Königin Elizabeth II. zu verabschieden. Teils gab es kilometerlange Schlangen. Am Abend wird der Sarg nach London übergeführt.

Tausende Menschen haben der verstorbenen Queen Elizabeth II. in Edinburgh die letzte Ehre erwiesen. Der geschlossene Sarg wurde am Montag in der St.-Giles-Kathedrale in der schottischen Hauptstadt aufgebahrt, damit die Bevölkerung Abschied nehmen konnte. Viele Menschen seien in Tränen ausgebrochen, hätten sich vor dem Sarg verbeugt oder einen Knicks gemacht, berichteten britische Medien.

Vor der Kathedrale standen Menschen in einer rund eineinhalb Kilometer langen Schlange an. Sie mussten mit mehr als zwei Stunden Wartezeit rechnen. Wie die Polizei gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte, waren mehr als 30.000 Armbänder verteilt worden, die Wartende zum Einlass in die Kirche berechtigten.

Trauerzug und Totenwache

Die Queen war am Donnerstag im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Schloss Balmoral gestorben. Sie wurde zunächst nach Edinburgh übergeführt. Dort gab es am Montag eine Prozession, zu der auch der neue König angereist war. Charles III. führte in der Altstadt den Trauerzug mit dem Sarg an. Tausende Menschen säumten den Weg, als neben Charles auch seine Geschwister Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward hinter dem Leichenwagen schritten. Begleitet wurde die Prozession von Kanonenschüssen, die im Minutentakt vom Schloss von Edinburgh aus abgefeuert wurden. 

Die Prozession führte von der königlichen Residenz, Palace of Holyroodhouse, zur gut einen Kilometer entfernten St.-Giles-Kathedrale, in der ein Gottesdienst stattfand. Später standen die vier Kinder der Queen an den vier Seiten des Sarges und hielten eine kurze Totenwache. Sie verweilten für etwa zehn Minuten an der Seite von vier Mitgliedern der königlichen Kompanie der Bogenschützen, die dort Wache standen. Während der traditionellen Nachtwache zog eine Prozession mit Vertretern der Öffentlichkeit am Sarg vorbei.

Sarg wird nach London gebracht

Noch bis zum Abend können die Menschen Abschied am Sarg nehmen, dann werden die sterblichen Überreste der Queen in Begleitung von Prinzessin Anne von der Royal Air Force von Edinburgh aus auf den Stützpunkt Northolt nahe London geflogen. Anschließend wird der Sarg in den Buckingham-Palast gebracht, wo er über Nacht im Bow Room aufgebahrt wird. 

Charles III. und Camilla in Belfast empfangen

König Charles III. und seine Frau Camilla flogen derweil von Schottland aus ins nordirische Belfast. Bei ihrer Ankunft in Hillsborough Castle - der offiziellen Residenz des Monarchen in Nordirland - wurden sie von zahlreichen Menschen mit Jubel und Applaus empfangen. Das Königspaar will in Belfast die Chefs aller Parlamentsparteien und Vertreter von Religionsgruppen treffen. Im Anschluss nimmt Charles III. an einem Gottesdienst in der St. Anne's Kathedrale teil, bevor das Paar wieder nach London zurückkehrt. Charles' und Camillas Reise ist Teil der Trauertage, die Besuche des neuen Königs in allen vier britischen Landesteilen vorsehen. Ein Besuch in Wales ist noch geplant. Am Montagmorgen hatte Charles III. seine Antrittsrede vor dem britischen Parlament gehalten und dabei die wichtige Rolle der Volksvertretung gewürdigt.

Hunderttausende in London erwartet

Am Mittwoch führt der König dann in London einen Leichenzug an, der vom Buckingham-Palast zum Parlament führen soll. Dort wird der Sarg auf einem als Katafalk bezeichneten Gerüst in der Westminster Hall ab 17 Uhr (Ortszeit) aufgebahrt. Zur Totenwache werden Hunderttausende Menschen erwartet. Erste Anhänger der Königin warten dort schon.

Bis zum Morgen des Staatsbegräbnisses hat die Bevölkerung die Möglichkeit, der Queen einen letzten Besuch abzustatten und sich zu verabschieden. Das Staatsbegräbnis ist für den 19. September, also Montag kommender Woche, angesetzt. Die Briten erhalten dafür einen Extra-Feiertag. Bis dahin gilt Staatstrauer. Am Abend vor dem geplanten Staatsbegräbnis sind die Briten von der Regierung in London zu einer Schweigeminute für die Queen aufgerufen.

Hunderte Staatsgäste kommen zur Beerdigung

Zur Beerdigung der Königin werden Hunderte Politiker und Würdenträger aus aller Welt und Millionen Besucher in London erwartet. Erwartet werden unter anderem US-Präsident Joe Biden, der französische Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Staatsoberhäupter aus Ländern, in denen der britische Monarch Staatsoberhaupt ist oder die dem 56 Nationen umfassenden Commonwealth angehören. Deutschland wird durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender vertreten.

Auch der japanische Kaiser Naruhito will Berichten zufolge an der Beerdigung teilnehmen. Es wäre seine erste Auslandsreise, seit er 2019 den Thron bestieg.Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern wird mit einer sechsköpfigen Delegation von Würdenträgern zum Staatsbegräbnis der Queen nach London reisen. Neben Generalgouverneurin Cindy Kiro fährt auch der König der Maori, Tuheitia Paki, zum Staatsakt. "Es ist ein Privileg, zusammen mit anderen Neuseeländern aus verschiedenen Lebensbereichen an der Beerdigung teilzunehmen, um im Namen aller Neuseeländer unseren Respekt zu erweisen", teilte Ardern mit. Die Queen sei in Neuseeland sehr geliebt und bewundert worden.

Der australische Premierminister Anthony Albanese kündigte an, dass zehn Bürger mit ihm nach London reisen dürfen. Die Liste mit den Namen der auserwählten Australier, die eine exklusive Einladung zu dem Staatsakt erhalten haben, wurde am Dienstag veröffentlicht. Es handelt sich um verdiente Frauen und Männer aus allen Teilen des Landes. Er komme damit einem Wunsch des britischen Königshauses nach, twitterte Albanese. Australien und Neuseeland sind Teil des Commonwealth. Der britische Monarch ist in beiden Ländern das Staatsoberhaupt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. September 2022 um 22:30 Uhr sowie die tagesschau am 13. September 2022 um 09:00 Uhr.