Queen Elizabeth II. | dpa
Nachruf

Zum Tod von Elizabeth II. Sieben Jahrzehnte im Dienst der Monarchie

Stand: 08.09.2022 19:49 Uhr

Elizabeth II. war so lange Königin wie sonst niemand in der Geschichte der britischen Monarchie. In ihre Regentschaft fallen etliche Premierminister, Skandale und ein "furchtbares Jahr".

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Ihre Regentschaft begann offiziell mit der Krönung am 2. Juni 1953 in der Westminster Abbey. Es war die erste Zeremonie dieser Art, die im Fernsehen übertragen wurde. Menschen in allen Ecken des Commonwealth verfolgten, wie Elizabeth II. den Eid ablegte.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Die Untertanen bekamen eine handfeste Monarchin. Im Krieg hatte Elizabeth II. gelernt, Autos zu fahren und sie auch zu reparieren. Sie hatte keine Angst, sich die Hände schmutzig zu machen. Sie liebte die Jagd, Pferde und Hunde, mochte keine Spaghetti und räumte nach dem Essen im Palast auch mal den Tisch ab. Viel mehr erfuhr man nicht über ihr Privatleben. Interviews gab sie nie.

Regierungswechsel und ein "Annus horribilis"

In ihrer Regierungszeit sah die Königin mehr als ein Dutzend Premierminister kommen und gehen, traf sie jede Woche zum Tee und hörte sich deren Sorgen an. Die größte Krise für die Queen bahnte sich 1992 an: Sie war "not amused", als die Ehen von drei ihrer vier Kinder zerbrachen. Sie nannte 1992 ein "Annus horribilis", ein furchtbares Jahr.

Die richtige Krise begann aber erst, als Prinzessin Diana im August 1997, ein halbes Jahr nach der Scheidung von Prinz Charles, in einem Autotunnel in Paris auf der Flucht vor Paparazzi starb. Da unterschätzte Elizabeth die total unbritische Wucht, mit der ihre Untertanen der schwierigen Ex-Schwiegertochter nachweinten - und blieb erst mal in Schottland.

Als die Blumenberge vor dem Buckingham Palast immer höher wurden, rettete der damalige Premierminister Tony Blair die Königin. Er brachte sie dazu, eine ergreifende Rede über die Prinzessin der Herzen zu halten und das Volk wieder zu versöhnen. Das ist das einzige Mal, von dem man weiß, dass dem Rat eines Premiers folgte.

Jubel zum Thronjubiläum

Obwohl sie durch die Verfassung zu politischer Zurückhaltung verpflichtet war, setzte die Königin politische Akzente im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Als versöhnliche Geste galt 2011 ihr Staatsbesuch in der Republik Irland. Seit der irischen Unabhängigkeit hatte zuvor noch kein britisches Staatsoberhaupt das Nachbarland besucht.

Nach 60 Jahren auf dem Thron feierte Elizabeth II. im Juni 2012 ihr diamantenes Thronjubiläum. Trotz Regenwetter säumten Hunderttausende das Ufer der Themse, als die Queen mit ihrer Familie in einer aufwändigen Schiffsparade mit über 1000 Booten den Fluss hinunterfuhr.

Die letzten Jahre ihres Lebens waren überschattet durch das Zerwürfnis mit ihrem Enkel Harry, der sich aus der königlichen Familie zurückzog und mit seiner Frau Meghan und zwei gemeinsamen Kindern in den USA lebt.

Tod Prinz Philips im April 2021

Bedrückend dürften für die Queen in der letzten Zeit auch die Vorwürfe gegen ihren mittleren Sohn Prince Andrew gewesen sein, dem Sex mit einer Minderjährigen vorgeworfen wird.

Im April 2021 starb dann kurz vor seinem 100. Geburtstag ihr Ehemann Prinz Philip. Fast 75 Jahre lang waren die beiden verheiratet gewesen. Ihn bezeichnete die Königin stets als ihre größte Stütze und Stärke in ihrem Leben.

Nach sieben Jahrzehnten Regentschaft geht mit dem Tod von Elizabeth II. nun für die britische Monarchie ein zweites "elisabethanisches Zeitalter" zu Ende - so wird bislang die Zeit um die Regentschaft von Königin Elizabeth I. von 1558 bis 1603 bezeichnet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. September 2022 um 20:00 Uhr.