Wladimir Putin beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg | REUTERS

Putin-Rede in St. Petersburg Zeigen, dass Russland stark ist

Stand: 17.06.2022 18:19 Uhr

Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg hat Kreml-Chef Putin die wirtschaftliche Unabhängkeit Russlands gelobt. Dass der Angriff gegen die Ukraine die Ursache für Sanktionen ist, wies er zurück.

Von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Erst sprang der Countdown, der im russischen Staatsfernsehen traditionell die Ansprachen Wladimir Putins ankündigt, kurzfristig eine Stunde zurück. Dann verschwand er ganz. Eine Cyber-Attacke hätte den Ablauf verzögert, erklärte der Kreml-Sprecher.

Martha Wilczynski ARD-Studio Moskau

Deswegen ertönte der fast schon filmreife Eröffnungstrailer mit gut anderthalb Stunden Verspätung. Russland sei bereit für globale Veränderungen - als vereinigendes Territorium zwischen Europa und dem Osten. Als Brücke für den Dialog der Kulturen und der Wirtschaften der Welt. Eine Welt ohne Kriege und Konflikte sei möglich - wenn man es wirklich wolle.

Ehrengast aus Kasachstan

Dann betrat Wladimir Putin die Bühne des großen Plenarsaals - in Begleitung seines Ehrengastes, des kasachischen Präsidenten Kassym Schomart Tokajew. Und kam recht schnell zum Kernpunkt seiner Ansprache:

Der wirtschaftliche Blitzkrieg gegen Russland hatte von Anfang an keine Aussicht auf Erfolg. Gleichzeitig ist die Sanktionswaffe bekanntlich zweischneidig - sie fügt einen vergleichbaren und noch größeren Schaden ihren Ideologen und Designern zu. Wir sehen, wie sich die sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Europa und auch in den Vereinigten Staaten verschlimmert haben. Wie die Kosten für Waren, Lebensmittel, Strom und Kraftstoff steigen, wie die Lebensqualität der Europäer sinkt und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen verloren geht.

Das sei der Preis für die realitätsfernen und dem gesunden Menschenverstand widersprechenden Entscheidungen des Westens.

Russland kommt ohne den Westen klar

Russland hingegen, so der Kreml-Chef, gehe es prächtig: "Das Leben hat alle Vorhersagen widerlegt, aber ich möchte betonen, dass wir, um weiterhin Erfolge zu erzielen, die Situation so ehrlich und realistisch wie möglich einschätzen müssen, dabei in unseren Schlussfolgerungen unabhängig sein und natürlich an unsere eigene Stärke glauben müssen."

Genau darum ging es - nicht nur in Putins Rede, sondern beim gesamten Internationalen Wirtschaftsforum. Zu zeigen, dass Russland stark ist und im Zweifel auch ohne den Westen klarkäme.

Neue Partner aus Asien, Afrika und Lateinamerika

"Natürlich haben uns die Sanktionen vor viele komplizierte Aufgaben gestellt", sagte Putin. "Betriebe haben nach wie vor Probleme mit Ersatzteilen. Eine Reihe technologischer Lösungen sind für unsere Firmen unzugänglich geworden. Die Logistik ist unterbrochen. Aber all das eröffnet uns neue Möglichkeiten. Das ist ein Stimulus für den Aufbau einer Wirtschaft."

Und so lautete das Motto der diesjährigen Jubiläumsveranstaltung "Neue Welt - neue Chancen". Auch mit neuen Partnern - nun verstärkt aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Üppige Reserven

Den Vorwurf, dass Russland diese vermeintlich "neue Welt" durch seinen Einmarsch in die Ukraine überhaupt erst erschaffen habe, wies der Kremlchef in seiner Ansprache einmal mehr zurück.

"Das ist nicht das Ergebnis des Geschehens, nicht das Ergebnis der letzten Monate, natürlich nicht. Vor allem nicht das Ergebnis einer speziellen Militäroperation Russlands im Donbass", sagte Putin.

Dass sich Russland wirtschaftlich so gut durch die vergangenen Woche und Monate gekommen ist, liege nach Einschätzung von Experten einerseits am gestiegenen Öl- und Gaspreis - andererseits an seinen üppigen Reserven. Die könnten aber, so die Prognosen, zum Herbst hin bereits aufgebraucht sein.

ber dieses Thema berichtete MDR aktuell am 11. Mai 2022 um 18:06 Uhr.