Regenbogenflagge wird vor Kölner Dom gehisst | dpa

Homosexuelle Paare Theologenprotest gegen Segnungsverbot

Stand: 22.03.2021 19:46 Uhr

Nach dem Nein aus dem Vatikan zur Segnung homosexueller Paare begehren immer mehr Katholiken in Deutschland dagegen auf. Nach etlichen Priestern wehren sich jetzt auch mehr als 200 Theologinnen und Theologen.

Das Vorgehen des Vatikans mündet in offenem Protest: Mehr als 230 Theologieprofessoren und -professorinnen aus dem deutschen Sprachraum protestieren gegen das vom Vatikan erlassene Segnungsverbot für homosexuelle Paare. Sie unterzeichneten eine von einer Arbeitsgruppe an der Universität Münster erarbeitete Stellungnahme und distanzieren sie sich darin klar von der Entscheidung Roms.

Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei "von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt" und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe, kritisieren die Experten. "Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares."

Hier "werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert"

In vielen Gemeinden würden Priester, Diakone und andere Seelsorger und Seelsorgerinnen Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbieten. In den vergangenen Tagen hatten sich Hunderte Priester in Österreich und Deutschland unter anderem in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet und angekündigt, das auch weiterhin tun zu wollen.

"Wir begrüßen diese würdigenden Praktiken ausdrücklich", stellen jetzt auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler klar. Der Erklärung der Glaubenskongregation fehle es an theologischer Tiefe und argumentativer Stringenz. "Werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und nicht rezipiert, wie es in dem Dokument der Fall ist, untergräbt das Lehramt seine eigene Autorität."

Letzter vergleichbarer Protest vor mehr als 30 Jahren

Die Stellungnahme war bis Montagnachmittag von 233 Theologieprofessoren unterzeichnet worden. Sie erinnert an die sogenannte Kölner Erklärung von 1989. In diesem Memorandum mit dem Titel "Wider die Entmündigung" hatten ebenfalls mehr als 220 Theologieprofessorinnen und -Professoren die nach ihrer Meinung autoritäre Kirchenpolitik des damaligen Papstes Johannes Paul II. kritisiert.

Die römische Glaubenskongregation hatte am Montag vergangener Woche klargestellt, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürften, da dies "objektiv" nicht Gottes Wille sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. März 2021 um 12:00 Uhr.