Papst Franziskus mit Kindern im Lager Mavrovouni auf Lesbos. | via REUTERS

Flüchtlinge auf Lesbos Der Papst bringt ein wenig Hoffnung

Stand: 05.12.2021 08:16 Uhr

Mit seiner Reise nach Zypern und Griechenland richtet der Papst die Aufmerksamkeit erneut auf die Situation von Flüchtlingen am Rande Europas. Heute besucht er Lesbos, wo den Menschen wieder ein harter Winter bevorsteht.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Für Christian Muyaka und seine beiden kleinen Töchter ist es bereits der zweite Winter, den sie im Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos verbringen. Vor gut einem Jahr kamen sie hier an. Immerhin haben sie jetzt einen Container und müssen nicht mehr im Zelt wohnen.

Auch sonst haben sich die Lebensbedingungen zumindest ein kleines bisschen verbessert, sagt Christian: "Als ich ankam, war die Situation schwierig. Aber im vergangen Jahr hat sich alles ein wenig verbessert, weil wir am Anfang keine richtigen Toiletten hatten. Heute ist das alles ein wenig besser."

Brand in Moria im vergangenen Jahr

Das Camp wurde provisorisch errichtet, nachdem das berüchtigte Lager von Moria vor über einem Jahr abgebrannt war. Kara Tepe - auch bekannt unter dem Namen Mavrovouni - befindet sich auf einem Militärgelände, direkt am Meer. Vor allem im Winter ist es hier stürmisch und nass. Ohne funktionierende Heizung wird es auch in den Containern nicht richtig behaglich: Muyaka und seine Töchter tragen auch drinnen ihre dicken Winterjacken und Wollmützen.

Die Familie stammt aus dem Kongo. Dort seien sie in Lebensgefahr gewesen, erzählt Muyaka. Deshalb wollten er und seine Frau mit den drei Kindern nach Europa gehen und dort um Schutz bitten.

Doch sie wurden auf der Flucht getrennt. Er weiß nicht, was mit seiner Frau und dem Baby geschehen ist. Ob sie noch leben - und falls ja, wo sie sich befinden: "Bisher hatte ich keinen Kontakt. Ich habe mich hier an das Rote Kreuz gewandt und ihnen alle Informationen gegeben. Aber im Moment gibt es leider noch keine positiven Nachrichten." Er muss warten und hoffen, dass seine Familie bald wieder vereint ist.

"Er gibt uns ein wenig Hoffnung"

Was ihm Kraft gibt, sind seine beiden Töchter und sein Glaube. Muyaka ist katholisch, besucht regelmäßig den Gottesdienst. Dass nun der Papst nach Lesbos kommt, bedeutet ihm viel: "Wir sind wirklich sehr glücklich. Das ist sehr wichtig für uns, die Geflüchteten. Da wir auch katholische Christen sind, macht uns der Besuch hier im Lager Mut. Er gibt uns ein wenig Hoffnung, um nach vorn zu gucken."

Knapp 2200 Menschen leben noch in Kara Tepe, Anfang des Jahres waren es mehr als 7000. Die Regierung bringt mehr und mehr Flüchtlinge aufs Festland, nachdem sie versprochen hatte, die griechischen Hotspot-Inseln in der Ägäis zu entlasten. Vor allem Lesbos ist zum Sinnbild der Flüchtlingskrise in Griechenland geworden.

Hilfsorganisationen schreiben an Franziskus

Deswegen hat der Besuch des Papsts hier große Symbolkraft, sagt Lefteris Papagiannakis vom griechischen Flüchtlingsrat: "Er repräsentiert mehr als eine Milliarde gläubige Menschen. Er repräsentiert in gewisser Weise Menschlichkeit. Seine Worte sind sehr politisch für uns und ich denke für alle. Er verwendet Worte, die stark und einfach zu verstehen sind und das kann einen Unterschied machen."

36 Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen haben sich in einem offenen Brief an Franziskus gewandt: Sie wollen mit ihm über die schwierigen Lebensbedingungen für Geflüchtete in Griechenland sprechen. Der Papst habe den Brief erhalten, hieß es aus dem Vatikan. Auch wenn Franziskus insgesamt nur wenige Stunden auf Lesbos verbringen wird, sind die Hoffnung gewaltig, die die Menschen in ihn setzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Dezember 2021 um 04:56 Uhr.