Skifahrer sitzen während einer Pause auf der Terrasse einer geschlossenen Skihütte.

Wintersport in Österreich Stufenplan soll Skisaison retten

Stand: 20.09.2021 16:51 Uhr

Die vergangene Skisaison war für Österreich ein Totalausfall. Nun sollen eine 3G-Regel und eine Maskenpflicht an den Liften den Winterurlaub sicher machen. Ungeimpfte müssen dennoch mit harten Auflagen rechnen, sollte sich die Pandemie-Lage verschärfen.

Österreichs Regierung will in diesem Jahr eine sichere Wintersaison inklusive Après-Ski ermöglichen. Dafür setzt der Alpenstaat auf seinen Skipisten auf die sogenannte 3G-Regel. Seilbahnbetreiber dürfen nur gegen Covid-19 Geimpfte, Getestete oder Genesene befördern, gab die Regierung in Wien bekannt.

Abstandsregeln und Kapazitätsbeschränkungen wird es für die Skilifte nicht geben, eine FFP2-Maskenpflicht jedoch schon. Sollte die Auslastung der Intensivstationen mit Corona-Kranken steigen, werden die Regeln für ungeimpfte Wintersportler verschärft.

Nachteile für Ungeimpfte

Derzeit sind dort rund 200 Betten mit Covid-19-Patienten belegt. Wenn die Zahl auf 300 steigt, dürfen Ungeimpfte keine Après-Ski-Lokale mehr besuchen - auch nicht mit negativem Testergebnis, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Ab dieser Stufe dürfen Seilbahnen, Gastronomie und Hotels außerdem keine Selbsttests mehr akzeptieren. Ab einer Intensivauslastung von 400 Betten müssen Ungeimpfte negative PCR-Tests vorweisen. Die weniger genauen Antigentests reichen dann nicht mehr aus. Falls sich die Lage noch mehr zuspitzt, stellte die Regierung die Ausweitung der 2G-Regel - geimpft oder genesen - auf weitere Bereiche in den Raum.

Wie an den Seilbahnen die 3G-Regel ohne langes Anstellen kontrolliert werden soll, war vorerst noch unklar. An einer Lösung werde noch gearbeitet, hieß es vom Tourismusministerium. So könnte zum Beispiel der Online-Verkauf von Liftkarten an eine automatisierte Kontrolle des Corona-Status gekoppelt werden.

Wichtiger Wirtschaftszweig

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger zeigte sich überzeugt, dass mit diesen Rahmenbedingungen eine unbeschwerte, sichere Wintersaison möglich sei. Ziel sei es, "dass Österreich nicht wieder mit Reisewarnungen belegt wird", sagte Köstinger. Sie rief dazu auf, sich für einen unbeschwerten Urlaub impfen zu lassen.

Skitourismus ist in Österreich ein wichtiger Wirtschaftszweig. Mehr als die Hälfte aller Winterurlaube in Europa finden laut Köstingers Ministerium in Österreich statt. Dabei spielen Gäste aus Deutschland eine wichtige Rolle: Vor der Pandemie entfielen in der Wintersaison 2018/19 fast 37 Prozent der Übernachtungen auf Deutsche. Die Saison 2020/21 war laut Köstinger ein "Totalausfall".

Warnung vor Impfdurchbrüchen

In Deutschland fiel das Echo auf die Pläne der Österreicher geteilt aus. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, glaubt, dass unter Bedingungen eine Wintersaison in den Bergen samt Après-Ski möglich ist. "Daher ist es grundsätzlich richtig, bestimmte Veranstaltungen nur für Personengruppen zu öffnen, bei denen die Ansteckungsgefahr gering ist", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Bei einem Anstieg des Infektionsgeschehens dürfe es keine Schließungen mehr geben, gleichzeitig müssten Gäste und Gastgeber geschützt werden. "Die Impfung bleibt das A und O."

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach reagierte kritisch auf den Vorstoß. "Wie die nächste Wintersaison aussehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös vorhersagen - auch nicht der österreichische Bundeskanzler", sagte Lauterbach den Funke-Zeitungen. Er würde aus heutiger Sicht "eher davon abraten, unter Ischgl-ähnlichen Bedingungen zu feiern" und verwies auf Impfdurchbrüche. Der österreichische Party- und Skiort Ischgl war voriges Jahr zum Corona-Hotspot geworden.