Jonas Gahr Støre (Zweiter v.r.) jubelt bei der Verkündung des Wahlergebnisses. | AFP

Wahlsieg in Norwegen Sozialdemokraten vor harten Verhandlungen

Stand: 14.09.2021 13:04 Uhr

Der Sozialdemokrat Store gilt als Sieger der Parlamentswahl in Norwegen - er könnte einem Mitte-Links-Bündnis als Regierungschef vorstehen. Doch Zentrums- und Linkspartei stellen Bedingungen.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Großer Jubel bei den Sozialdemokraten auf der Wahlparty am Abend. "Jonas, Jonas" riefen sie Jonas Gahr Store entgegen, als er auf die Bühne trat. "Die großen Aufgaben werden wir am besten zusammen lösen", rief er, hob die Hände und ließ sich feiern.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Eine erste große Aufgabe wird es nun sein, Partner für eine Regierung zu finden. Am wahrscheinlichsten gilt ein Mitte-Links-Bündnis mit der Zentrumspartei und der sozialistischen Linkspartei, die beide bereits harte Verhandlungen ankündigten.

Linkspartei stellt Bedingungen

"Ohne Veränderungen beim Klimaschutz sind wir raus", so der selbstbewusste Vorsitzende der sozialistischen Linkspartei Audun Lysbakken. "Die Zeit wird zeigen, wie weit wir kommen. Es gibt aber entscheidende Punkte für uns. Zum Beispiel ist es zentral, ob wir eine Wende in der Klimapolitik hinbekommen", so Lysbakken. "Wir werden also entscheiden müssen, ob es am Ende eine Grundlage für eine rot-grün-rote Regierung gibt, oder ob wir lieber in die Opposition gehen werden. Wichtig ist aber, dass es ohne uns keine Mehrheit im Parlament geben wird."

Erste Gespräche sollen zügig beginnen, doch es wird vermutlich bis Mitte Oktober dauern, eine Regierung zu bilden, glaubt Sozialdemokrat Store. 

Klimaschutz gilt als Knackpunkt

Der Klimaschutz werde bei den Verhandlungen eines der schwierigsten Themen, so Magnus Takvam, Politikjournalist bei NRK, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Norwegen: "Was es so schwierig macht, ist, dass man keine radikale Veränderung der Klimapolitik erwarten kann. Das ist in gewisser Weise immer das gleiche. Man kann zwar eine Kommission gründen, aber die großen Probleme werden dort nicht gelöst. Vieles muss jetzt in den kommenden Jahren passieren, die vor uns liegen."

Obwohl der Klimaschutz als eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf galt, haben die Norwegerinnen und Norweger sich nicht für eine radikale Abkehr von der Öl- und Gasförderung entschieden. Das bekamen die Grünen leidlich zu spüren, die sich ein besseres Wahlergebnis erhofft hatten.

Bürgerliches Lager mit Verlusten

Fast alle Parteien des bürgerlichen Lagers haben Stimmen verloren, obwohl Ministerpräsidentin Erna Solberg als beliebte Politikerin galt. So mancher Norweger vermisst sie jetzt schon. "Ich habe gehofft, dass Solberg weitermachen kann. Leider hat es nicht geklappt. Sie hat unserem Land in den letzten Jahren wirklich gut getan. Besonders in der Pandemie hat sie gezeigt, was sie für eine tolle Person und Regierungschefin ist", sagt einer.

Ein anderer: "Ich glaube, dass es einen größeren Fokus auf Umwelt- und Sozialpolitik geben muss. Das hat die bisherige Regierung nicht ausreichend gemacht."

Soziale Gerechtigkeit, mehr Entlastungen für Geringverdiener - das hat Sozialdemokrat Store im Wahlkampf versprochen. Daran werden ihn die Norwegerinnen und Norweger in den kommenden vier Jahren messen. Und sollte er scheitern, stehen die Konservativen wieder bereit, so Solberg kurz nach ihrer Niederlage: "Ich denke, 2025 sind wir alle zurück."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. September 2021 um 15:00 Uhr.