Berghütte Goûter am Mont Blanc | picture alliance / abaca

Steinschlaggefahr auf Hauptroute Hütten am Mont Blanc wegen "Haudegen" gesperrt

Stand: 05.08.2022 15:03 Uhr

Die Gefahr durch Gletscherspalten und Steinschlag auf der Hauptroute zum Mont Blanc ist derzeit extrem groß. Trotz ausdrücklicher Warnungen wählen Hobbyalpinisten aber noch immer diese Route. Deshalb schließen die Behörden nun Berghütten.

Der Bürgermeister der Gemeinde Saint-Gervais, Jean-Marc Peillex, hat die Schließung von Berghütten angeordnet, in denen Bergsteiger auf dem Weg zum Mont Blanc übernachten. Konkret sind von der Anordnung die Hütten Tête Rousse und Goûter betroffen.

Zur Begründung schrieb der Bürgermeister via Twitter, dass trotz aktueller Warnungen immer wieder Hobbyalpinisten den Aufstieg zum knapp 4808 Meter hohen Mont Blanc vom französischen Saint-Gervais starteten. Im Gemeindegebiet von Saint-Gervais befindet sich ein wesentlicher Teil des Mont-Blanc-Massivs, welches von Saint-Gervais aus über die Zahnradbahn Tramway du Mont-Blanc bis auf 2386 m Höhe erschlossen ist.

Bürgermeister verurteilt Aufsteigende als "Haudegen"

In einer Mitteilung schrieb Peillex: "Wie traurig, von einigen Haudegen, die weder Gott noch Gebot kennen, dazu gezwungen zu werden, eine Entscheidung zu treffen, die nicht notwendig sein sollte". Peillex sagte im französischen Sender RMC, der Berg donnere - es gebe Felsen groß wie Autos, die sich lösten.

Der sichtlich aufgebrachte Bürgermeister, dem schlecht vorbereitete Alpinisten schon länger ein Dorn im Auge sind, brachte eine Kaution für Bergsteiger ins Gespräch: Für einen "Aufstieg mit dem Tod im Gepäck" sollten seiner Meinung nach 15.000 Euro einbehalten werden, um Kosten für Rettung und Grabstätte abzudecken. Peillex schrieb in seiner Mitteilung aber auch, dass dies wohl juristisch nur schwer durchzusetzen wäre.

Schwierige Bedingungen für Aufstieg

Bereits seit Mitte Juli rät der Ort in Rücksprache mit der Präfektur von Aufstiegen zum höchsten Berg der Alpen ab. Die Bergführervereinigungen von Chamonix und Saint-Gervais am Fuße des Mont Blanc gaben in diesem Zuge bekannt, dass sie den Aufstieg über die "normale" Route von Le Goûter aufgrund von Steinschlägen aufgeben.

Schneemangel und die immer wärmeren Temperaturen sorgen in diesem Jahr für so schwierige Bedingungen für Touren zum Mont Blanc, dass nur noch wenige den Aufstieg wagen können - über Routen, die wegen ihres Schwierigkeitsgrades Experten vorbehalten bleiben.

Nicht nur am Mont Blanc, sondern überall in den Hochlagen der Alpen wird der Klimawandel für Bergsteiger zunehmend zum Problem. Weil Permafrostböden auftauen, kommt es immer öfter zu Steinschlag. Auch die Begehung von Gletschern wird wegen der sich auftuenden Spalten schwieriger.

Auch das dramatische Unglück am Berg Marmolata in Italien ist laut Experten eine Folge des Klimawandels. Hier war Anfang Juli ein großes Stücke des Gletschers abgebrochen, elf Menschen kamen ums Leben.