John McAfee, Mitgründer von McAfee Crypto Team und Gründer der Software McAfee Antivirus | REUTERS

Antivirus-Software-Unternehmer John McAfee tot in Gefängnis aufgefunden

Stand: 24.06.2021 08:02 Uhr

Der Software-Entwickler McAfee ist tot in einem Gefängnis in Barcelona aufgefunden worden. Örtliche Behörden gehen von Suizid aus. Kurz zuvor hatte Spaniens Oberster Gerichtshof McAfees Auslieferung an die USA angeordnet.

Der Antivirus-Software-Unternehmer John McAfee ist tot in einem Gefängnis in Barcelona aufgefunden worden. Wie eine Sprecherin der Justiz in der Region Katalonien sagte, habe der 75-Jährige "offenbar Suizid" begangen. Stunden zuvor hatte Spaniens Oberster Gerichtshof McAfees Auslieferung an die USA wegen mutmaßlicher Steuervergehen angeordnet. Das spanische Kabinett hätte dem noch zustimmen müssen.

McAfee war im Oktober am internationalen Flughafen von Barcelona verhaftet worden. Er argumentierte in einer Anhörung diesen Monat, dass die Vorwürfe gegen ihn politisch motiviert seien. Sollte er an die USA ausgeliefert werden, würde er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, so McAfee.

Bis zu 30 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft im US-Staat Tennessee wirft McAfee Steuerhinterziehung vor. Er habe Einkommen aus einer Beratertätigkeit und Einnahmen aus Redeaufträgen und dem Verkauf der Rechte an seiner Lebensgeschichte für eine Dokumentation nicht angegeben. Die Vorwürfe beziehen sich auf drei Steuerjahre von 2016 bis 2018, wie aus dem Urteil des Gerichts hervorgeht. Er soll laut dem Auslieferungsantrag der USA in diesen vier Jahren umgerechnet mehr als zehn Millionen Euro verdient, aber nie eine Steuererklärung eingereicht haben. Auf die mutmaßlichen Steuervergehen steht eine Haftstrafe von bis zu 30 Jahren.

Im März dieses Jahres wurde McAfee in den USA wegen Betrugs mit Kryptowährungen über seinen Twitter-Account angeklagt. Der Unternehmer soll gemeinsam mit seinem Leibwächter und Berater Jimmy Gale Watson seinen erfolgreichen Twitter-Account genutzt haben, um zahlreiche Follower über die sogenannte "Pump-and-Dump"-Methode zu betrügen. Wie das US-Justizministerium damals mitteilte, sollen McAfee und sein Partner mehr als 13 Millionen Dollar mit dieser Methode ergaunert haben.

Flucht durch den Dschungel

McAfee hatte in den 1980er-Jahren das nach ihm benannte, auf Antiviren-Software spezialisierte Unternehmen McAfee gegründet, aus dem er sich in den 1990er-Jahren zurückzog.

Es ist nicht das erste Mal, dass McAfee in Zusammenhang mit einer Kriminalgeschichte auffällig wird. Im Jahr 2012 machte er durch eine abenteuerliche Flucht durch den Dschungel Schlagzeilen, als nach einem Mord an seinem Nachbarn in Belize nach ihm gefahndet wurde.

Anmerkung zur Berichterstattung über Selbsttötungen

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Juni 2021 um 07:45 Uhr.