Mehrere Kinder laufen auf dem Dach einer Erstaufnahmeeinrichtung in Ceuta. | dpa

Flüchtlingskinder in Spanien Der Traum vom besseren Leben

Stand: 03.06.2021 10:20 Uhr

Etwa 40 Millionen Minderjährige sind weltweit auf der Flucht. Rund 13.000 kommen jedes Jahr oft unbegleitet aus afrikanischen Ländern nach Spanien. Der Traum vom besseren Leben endet oft in Armut und Obdachlosigkeit.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Madrid

Seit 2018 kommen jedes Jahr rund 13.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche über die Kanarischen Inseln oder die spanische Exklave Ceuta auf das spanische Festland. Die meisten kommen aus Marokko, aber auch aus anderen afrikanischen Ländern wie Mali oder Senegal.

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Jennifer Zuppiroli ist Migrationsexpertin der Hilfsorganisation Save the Children. Sie war in Ceuta vor Ort, als im Mai besonders viele Kinder und Jugendliche dort ankamen. Es sei schwer, so Zuppiroli, sich einen Überblick über die Angekommenen zu verschaffen. Viele Jungen und Mädchen lebten auf der Straße und seien nicht in Aufnahmeeinrichtungen untergekommen.

Kinder inzwischen deutlich jünger

Es sei nun ein etwas anderes Profil zu beobachten, als bei denjenigen, die im vergangenen Jahr übers Meer auf die Kanaren gekommen waren, wie die Migrationsexpertin weiter berichtet. "Die Kinder und Jugendlichen in Ceuta sind deutlich jünger und viele haben große Angst."

Es gebe nicht genug Informationen und Betreuer, die ihnen erklärten, was als nächstes mit ihnen passieren werde. Für viele ist die Ankunft ein Schock, sie sind plötzlich auf sich gestellt. Und nicht mehr bei ihren Familien zu sein, macht sie emotional verletzlich.

Außerdem fehlen gute Verfahren und Abläufe für die Jungen und Mädchen, so Zuppiroli. Und das in einem Moment, wenn bewertet werden müsse, was angesichts ihrer jeweiligen Umstände in ihrem besten Interesse sei, bevor eine Entscheidung über ihr Schicksal getroffen werden könne.

Auf eigene Faust durch Spanien

In Spanien sind die 17 autonomen Regionen des Landes verantwortlich für die Aufnahmen unbegleiteter Minderjähriger. Laut einer Konvention der Vereinten Nationen stehen Kinder und Jugendliche unter besonderem Schutz. Sie können etwa nur zurück in ihre Herkunftsländer geschickt werden, nachdem überprüft wurde, was sie dort erwartet. Das kann dauern, viele schlagen sich auf eigene Faust auf das spanische Festland durch. Unter Lastwagen versteckt oder in Booten, wie Mohamed, der im spanischen öffentlich-rechtlichen Radio erzählt, er sei über Ceuta gekommen.

Ich habe dort fünf Monate auf der Straße gelebt, in keinem Zentrum oder so, und bin dann in einem Boot von Ceuta nach Algeciras in Andalusien gekommen, und von dort nach Madrid und jetzt bin ich hier.

Seit knapp drei Jahren lebt Mohamed jetzt in Madrid. Er wird in einem Friseurgeschäft in der Stadt Getafe südlich von Madrid arbeiten, das von drei Marokkanern geführt wird. Sie sind selbst als Minderjährige nach Spanien gekommen, um ihre Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis auch als Volljährige zu behalten. Junge Geflüchtete werden in Spanien in der Regel betreut bis sie 18 Jahre sind, danach müssen sie für sich selbst sorgen. Zwar gibt es Nachfolgeprogramme, doch den vollen Anspruch haben nur Jugendliche, die drei Jahre betreut wurden.

Arbeitsperspektiven sind rar

Für viele endet der Traum von einem besseren Leben in Armut und Obdachlosigkeit. Spaniens Sozialministerin Ióne Belárra vom Linksbündnis Unidas Podemos hat am Mittwoch mit Blick auf die Situation sowohl auf den kanarischen Inseln als auch in Ceuta angekündigt, die Regierung wolle das System für die Aufnahme und Betreuung unbegleiteter Kinder und Jugendlicher überarbeiten. "Beide Krisensituationen haben deutlich gemacht, dass es notwendig ist, dass wir ein neues Modell erreichen müssen, wie wir diese Kinder dauerhaft gemeinsam betreuen können", so Belárra.

Es gehe dabei einerseits darum, die Rechte der Kinder zu garantieren, aber auch darum, sie nach klaren Kriterien im Land zu verteilen, um eine unfaire Belastung der Regionen zu vermeiden, in denen aufgrund ihrer geographischen Lage besonders viele Kinder und Jugendliche ankämen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Juni 2021 um 11:11 Uhr.