Lava fließt durch ein Tal, das von einer Kirche aus zu sehen ist. | REUTERS

Kanareninsel La Palma Das Wohnmobil als Notunterkunft

Stand: 22.09.2021 04:18 Uhr

Mehr als 6000 Menschen mussten auf La Palma wegen des Vulkanausbruchs ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Viele wurden in Kasernen gebracht oder andere Notunterkünfte - manche übernachten auch im Wohnmobil.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Adonay schaut von einer kleinen Anhöhe aus herüber auf das Lavafeld und den tobenden Vulkan, aus dem das glühende Gestein herausbrodelt. Ein paar hundert Meter noch, dann schiebt sich die qualmende Masse über eine Kirche, die Papst Pius dem Zehnten geweiht ist. Nicht weit weg sind der Marktplatz und Adonays Haus. Der junge Mann nimmt kein Blatt vor den Mund, Papst hin oder her: "Es sieht beschissen aus", sagt er. "Wir sind evakuiert worden, denn die Lava wird sich das alles holen, sagen die Experten."

Reinhard Spiegelhauer ARD-Studio Madrid
Karte mit La Palma und dem Vulkan Cumbre Vieja

So wie um die 200 Häuser, die sie sich schon in den vergangenen Tagen geholt hat. Adonay hat Glück im Unglück - seine Eltern haben ein Wohnmobil, in dem er erstmal wohnt. Viele andere mussten in die Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma, dort ist eine Kaserne für Vulkanflüchtlinge hergerichtet worden. Auch ein paar Sportanlagen in Gemeinden außerhalb der Gefahrenzone sind Notunterkünfte.

Dramatische Folgen für die Landwirtschaft

Antoni lässt eine Drone steigen. Er will filmen, wo die Lava entlang fließt. Aber nicht, weil das tolle Videos gibt - mit seinem YouTube Kanal will Antoni helfen.

Die Leute sollen genau sehen, wo die Lava steht, welche Schäden drohen. Und es geht nicht nur um Häuser, sondern auch um die Folgen für die Landwirtschaft.

Selbst wenn Plantagen nicht unter der Lava begraben werden - das flüssige Gestein hat auch schon Wasser- und Stromleitungen gekappt. Antoni selbst kann deswegen seine Bananen nicht mehr bewässern. Für den Ernteausfall wird keine Versicherung zahlen.

Lavamassen verschlingen ein Haus auf La Palma. | AP

Mehr als 6000 Menschen mussten aus La Palma bisher ihre Häuser verlassen - manche für immer. Bild: AP

Schäden an den Häusern - wenn man das Verschwinden eines Hauses unter 10 Metern Lavadecke Schaden nennen kann - werden von Gebäude- und Hausratversicherungen gedeckt. Wer nicht versichert ist, kann aber nur auf staatliche Hilfe hoffen. Auch von der EU könnte finanzielle Hilfe für die Opfer kommen.

"Wir wussten ja, dass wir in der Gefahrenzone sind"

Edwin und seine Lebenspartnerin hoffen noch, dass ihr Haus stehen bleibt. "Es ist am Rande des Vulkanflusses, und wir haben Hoffnung, dass es stehen bleibt. Aber trotzdem haben wir Mitgefühl für die anderen, die alles verloren haben." Die beiden leben seit langem auf den Kanaren, früher auf Teneriffa, seit einem halben Jahr auf La Palma. Weil es hier ruhiger ist. Wenn nicht gerade ein Vulkan ausbricht.

Wie sind Marktverkäufer hier, in Los Llanos, kommen nach Hause um drei Uhr, essen, und plötzlich ein riesiger Knall hinter uns, unser Nachbar schreit und tobt, er hat Frau und Kinder, und dann haben wir herausgeschaut und gesehen, wie der Berg explodiert ist. Wir wussten ja, dass wir in der Gefahrenzone sind, und innerhalb von zehn Minuten haben wir unser Wohnmobil, in dem wir jetzt wohnen, und unseren Pkw geschnappt, und sind weg.

Ob und wann sie zurück können wissen sie nicht - und die Vulkanologen geben keine Entwarnung, obwohl die Lava zuletzt nur noch langsam geflossen ist. Es könnte sein, dass der Vulkan nur eine Pause einlegt, meinen sie.