Eine ältere Frau sucht in ihrem zerstörten Haus in Donezk nach Habseligkeiten (9.4.2021). | AP

Ostukraine-Krieg Sieben Jahre Leid und Ungewissheit

Stand: 14.04.2021 17:55 Uhr

Eine "Anti-Terror-Operation" sollte 2014 den selbsternannten Volksrepubliken im Osten der Ukraine schnell ein Ende setzen. Sieben Jahre später läuft noch immer eine Konfrontationslinie durch das Land - und Menschen sterben.

Von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Am 14. April 2014 begann in der Ukraine die sogenannte Anti-Terror-Operation. Kurz nach dem Sturz des russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch durch die EU-freundliche Maidan-Bewegung hatten sich Teile der traditionell Russland nahestehenden Regionen Donezk und Luhansk von Kiew losgesagt.

Martha Wilczynski ARD-Studio Moskau

Das ukrainische Militär sollte den Aufstand der prorussischen Separatisten schnell und entschieden niederschlagen. Doch die bekamen Unterstützung aus Russland - Soldaten, Waffen, Militärtechnik. Aus der geplanten Anti-Terror-Operation wurde ein seit nunmehr sieben Jahren dauernder Krieg mit mehr als 13.000 Todesopfern.

Angehörige der ukrainischen Armee in einem Unterstand bei Donezk

Seit sieben Jahren verläuft die Frontlinie durch den Osten der Ukraine - in einem Unterstand bei Donezk beobachten Soldaten der Landesarmee die Lage.

50 Tote allein seit Jahresbeginn

Heute ist die Situation im Osten der Ukraine so angespannt wie schon lange nicht mehr. Die im vergangenen Sommer durch die Minsker Kontaktgruppe vereinbarte Waffenruhe wird immer häufiger gebrochen. Allein seit Jahresbeginn sind dabei mehr als 50 Menschen getötet worden.

Russland zieht an der Grenze zur Ukraine sowie auf der annektierten Halbinsel Krim Tausende Soldaten zusammen. Auch die Ukraine verstärkt ihre Truppen entlang der Konfrontationslinie. Beide Seiten beteuern kein Interesse an einem erneuten Aufflammen der Kämpfe zu haben, geben sich jedoch kampfbereit, sollte die jeweils andere Seite eine Offensive starten.

Während sich der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba gestern einmal mehr der Unterstützung der NATO sowie der USA versicherte, warf Moskau dem Militärbündnis vor, die Ukraine bewusst in ein Pulverfass zu verwandeln.

Droht eine neue Eskalation?

Serhij Harmasch, Journalist und Mitglied der ukrainischen Delegation in der Trilateralen Kontaktgruppe zur Umsetzung des Minsker Friedensplans für die Ostukraine, glaubt allerdings nicht, dass Moskau die Lage eskalieren lassen will.

Nachdem die USA zugesichert haben, die Ukraine im Fall einer russischen Aggression nicht im Stich nicht zu lassen, glaube ich nicht, dass Putin an einem Krieg interessiert ist. Einen kleinen siegreichen Krieg wollte er vielleicht starten, aber jetzt sieht er, dass der Krieg kein kleiner wird und dazu wahrscheinlich auch kein siegreicher.

Denn der würde Russland nicht nur viel Geld kosten, sondern auch neue Sanktionen nach sich ziehen, so Harmasch. Trotzdem bereitet sich die Ukraine auf eine mögliche Eskalation vor und verstärkte die Truppen an der Konfrontationslinie.

Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Minister bitten bei ihren Partnern in NATO und EU unermüdlich um Unterstützung. Zwei Kriegsschiffe der US-Marine sollen in diesen Tagen im Schwarzen Meer eintreffen. Zudem hat der Sicherheitsdienst der Ukraine in der Region Charkiw mit Anti-Terror-Übungen begonnen - nur wenige Dutzend Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. April 2021 um 07:11 Uhr.