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Kiews Bürgermeister Klitschko "Mit Helmen können wir uns nicht verteidigen"

Stand: 18.02.2022 20:06 Uhr

Der Bürgermeister von Kiew, Klitschko, hält einen Krieg nicht für ausgeschlossen. Er rechne quasi stündlich damit, sagte er im BR-Interview. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz bat er um Unterstützung in Form von Waffen.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat auf der Münchener Sicherheitskonferenz um mehr Rückendeckung für die Ukraine gebeten. "Wir brauchen Unterstützung. Ohne Unterstützung wird es schwierig für uns", sagte der Ex-Boxweltmeister im Interview mit dem BR. Er dankte Deutschland für den Wiederaufbau der Wirtschaft in den vergangenen acht Jahren, mit Blick auf die bisher angekündigte Hilfe im aktuellen Konflikt fand er aber deutliche Worte:

Deutschland hat der Ukraine sehr geholfen und für Stabilität in der Region gesorgt. Heute brauchen wir aber Waffen, um uns zu verteidigen. Mit Helmen können wir unser Land nicht verteidigen.

"Ein Krieg ist nicht ausgeschlossen"

Klitschko äußerte sich auch zur Gefahr eines Krieges. "Heute spricht in der Ukraine jeder über eine mögliche Invasion durch Russland." Es sei das erste Mal in der Geschichte der Ukraine, dass mehr als 150.000 russische Soldaten an der Grenze stünden und Militärübungen machten. "Wir hören viele Drohungen, hören von vielen Szenarien, wie sich die Situation entwickeln könnte. Ein Krieg ist nicht ausgeschlossen."

Er betonte, nicht die ganze Zeit auf der Münchner Sicherheitskonferenz bleiben zu können, weil "die Gefahr einer Invasion stündlich eintreten" könne. "Wenn das passiert, kann der Luftraum jede Stunde geschlossen werden. Ich fühle mich nicht wohl mit dem Gedanken, dass ich meine Stadt und meine Familien alleine zurücklasse." Man höre viele Drohungen und viele Szenarien, wie sich die Situation entwickeln könnte.

Viele Spekulationen über Ausgangspunkt

Im Hinblick auf Spekulationen, dass Russland einen Krieg provozieren könnte und dieser seinen Ausgangspunkt in den bereits seit langem umkämpften Regionen Luhansk und Donezk haben könnte, verwies Klitschko auf Moskau. "Experten sprechen von verschiedenen Möglichkeiten, wie sich die Situation entwickeln, von wo aus die Russen einmarschieren könnten." Er nannte die Krim, den Süden der Ukraine, den Norden, die Grenze zu Weißrussland oder auch den Osten. "Deshalb möchte ich nicht spekulieren. Die einzige Person, die das beantworten kann, befindet sich in Moskau."

Wunsch eines modernen, demokratischen Landes

Klitschko sieht den Hauptgrund des Konflikts in der Orientierung der Ukraine in Richtung Westen. Die Ukraine habe den Wunsch, ein modernes, europäisches, demokratisches Land zu bauen. "Das passt nicht in die Vision der russischen Regierung", so Klitschko. "Wir waren in der Sowjetunion. Und wir wollen nicht zurück in die UdSSR." Man sehe die ukrainische Zukunft als Teil der europäischen Familie.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Februar 2022 um 18:00 Uhr.