Zerstörtes Gebäude im Donbass | AFP

Russische Offensive im Donbass "Einfach alles dem Erdboden gleichmachen"

Stand: 06.06.2022 12:58 Uhr

Sjewjerodonezk ist eine der letzten ukrainischen Bastionen in der Region Luhansk. Nach jüngsten Erfolgen Kiews machen dort nun russische Truppen wieder Boden gut. Schwere Gefechte werden aus dem gesamten Donbass gemeldet.

Im Osten der Ukraine hat sich die Situation der ukrainischen Truppen in der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk wieder verschlechtert. "Die Kämpfe verlaufen ziemlich dynamisch", sagte der Militärgouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, im ukrainischen Fernsehen. Es gebe intensive Straßenkämpfe mit russischen Kräften.

Eine der letzten ukrainischen Bastionen

Nach der Zurückeroberung von etwa der Hälfte der Stadt hätten sich die ukrainischen Einheiten wieder ins Industriegebiet zurückziehen müssen. "Sie haben eine Taktik: einfach alles dem Erdboden gleich machen, damit nichts übrig bleibt, um sich festzusetzen", beschrieb Hajdaj das Vorgehen der russischen Truppen.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Auch das britische Verteidigungsministerium berichtete von heftigen Auseinandersetzungen. Sjewjerodonezk ist die letzte größere Stadt der Region Luhansk, die Russland noch nicht erobert hat. Dort sollen noch etwa 15.000 Zivilisten ausharren. Erklärtes Ziel der russischen Streitkräfte ist es, die gesamte Donbass-Region, zu der auch die Region Donezk gehört, einzunehmen.

Schwerer Beschuss durch Artillerie und Mörser

Im Luhansker Gebiet stehen dem ukrainischen Militär zufolge etwa ein Dutzend Ortschaften unter schwerem Beschuss durch Artillerie und Mörser. Der ukrainische Generalstab berichtete zudem über schwere Kämpfe im Donezker Gebiet um Swjatohirsk. Bei der Stadt Bachmut seien Luftangriffe geflogen worden. Die russischen Truppen rücken nach britischen Angaben auch auf die Stadt Slowjansk in der Region Donezk vor.

An der belarusisch-ukrainischen Grenze soll Moskau zudem Truppen mit Iskander-Raketen stationiert haben. Die Iskander-Rakete mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern kann mit atomaren und konventionellen Sprengköpfen bestückt werden.

Selenskyj bei Saporischschja | via REUTERS

Besuch an der Front: Präsident Selenskyj spricht den ukrainischen Soldaten Mut zu und bedankt sich für ihren Einsatz. Bild: via REUTERS

Selenskyj besucht Truppen in Lyssytschansk

In der Nacht war bekannt geworden, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj in der ebenfalls umkämpften Stadt Lyssytschansk persönlich Orden an Soldaten verliehen hat. Selenskyj besichtigte dabei nach Angaben des Präsidialamtes Kommandoposten und Stellungen an der Front in der Stadt, die durch den Fluss Siverskyj Donez von der derzeit hart umkämpften Stadt Sjewerodonezk getrennt ist.

In einer Erklärung des Präsidenten heißt es, er wolle sich bei den Truppen für ihre großartige Arbeit und ihren Dienst bedanken, mit denen sie alle in der Ukraine und auch das Land selbst beschützten. Selenskyj habe vor Ort eine Schweigeminute abgehalten. Vom Präsidialamt veröffentlichte Videos der Besuche zeigen Selenskyj bei Gesprächen mit Soldaten in bunkerähnlichen Gebäuden: "Ihr alle habt den Sieg verdient - das ist das Wichtigste. Aber nicht um jeden Preis", sagt Selenskyj in einem der Videos.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Juni 2022 um 09:00 Uhr.