Boris Johnson | REUTERS

"Partygate"-Affäre Johnson lehnt sofortige Konsequenzen ab

Stand: 19.01.2022 16:13 Uhr

Es war eine turbulente Debatte im britischen Parlament: Zum Skandal um Partys am Regierungssitz sagte Premier Johnson, er wolle eine interne Untersuchung abwarten. Ein erster Tory-Abgeordneter wechselte aus Protest zur Labour-Partei.

In einer turbulenten Debatte im britischen Parlament hat Premierminister Boris Johnson sofortige Konsequenzen aus dem "Partygate"-Skandal ausgeschlossen. Er werde den Bericht einer internen Untersuchung abwarten, der nächste Woche erscheinen werde, sagte Johnson. Erneut wich der Premier konkreten Fragen nach dem Ablauf von Lockdown-Partys im Regierungssitz aus. Oppositionsführer Keir Starmer müsse auf den Untersuchungsbericht warten, so Johnson.

Nachdem er sich zuletzt reumütig gezeigt hatte, gab sich der Premier, dem ein Misstrauensvotum in den eigenen Reihen droht, nun kämpferisch und griff seinen politischen Gegner scharf an. Wäre es nach Starmer gegangen, wäre das Land noch immer im Corona-Lockdown, behauptete Johnson. Dank seiner Politik aber sei Großbritannien wirtschaftlich gut durch die Pandemie gekommen.

Christian Wakeford | AFP

Der Tory-Abgeordnete Christian Wakeford wechselte zur Labour-Partei - und wurde mit Jubel begrüßt. Bild: AFP

Parteiinterner Druck auf Johnson wächst

Kurz vor der Debatte war bekannt geworden, dass ein Tory-Abgeordneter zur Labour-Partei wechselt. Christian Wakeford, der Johnson sein Misstrauen ausgesprochen hatte, wurde von seinen neuen Kollegen mit lautem Jubel und Schulterklopfen begrüßt. Von der Regierungsbank gab es Buhrufe. Johnson wies darauf hin, dass Wakeford nur dank des fulminanten Tory-Wahlsiegs 2019 unter seiner Führung im Wahlkreis Bury South ins Parlament gekommen sei. "Wir werden wieder in Bury South gewinnen", sagte er.

Wakeford ist allerdings nicht der einzige Tory-Abgeordnete, der mit Johnsons Politik unzufrieden ist. Die "Times" berichtete, nach den jüngsten Enthüllungen im "Partygate"-Skandal hätten sich 20 konservative Abgeordnete getroffen, um über ein Misstrauensvotum gegen Johnson zu beraten. Demnach handelt sich mehrheitlich um junge Tory-Politiker, die nach Johnsons klarem Wahlsieg 2019 erstmals ins Parlament eingezogen waren. Viele von ihnen kommen dem Bericht zufolge aus den ehemaligen Kerngebieten der Labour-Partei in Nordengland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2022 um 15:00 Uhr in den Nachrichten.