In einer Pizzeria in Turin wird der Greenpass einer Besucherin geprüft. | EPA

Neue Corona-App Italien zückt den Greenpass

Stand: 06.08.2021 17:49 Uhr

Ob im Restaurant, Museum oder Stadion: In Italien geht nichts mehr ohne den Greenpass, der digital Auskunft über Impfung oder Corona-Test gibt. Der Start verlief problemlos.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Nach den Protesten der vergangenen Wochen gegen den Greenpass war es ein weitgehend geräuschloser Start. Das klappe problemlos, sagt der Römer Leonardo Sarti beim Frühstückscappuccino. "Das geht ganz schnell. Da kommst du rein, zeigst deinen Greenpass und der wird per App kontrolliert."

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Stichproben am ersten Tag zeigten, dass sich die meisten Gastronomen in Rom vorbereitet hatten. Auch Stefania Gallina in ihrem Café Pink Bar in der Nähe des Zentrums kontrolliert seit heute, ob ihre Gäste, die drinnen sitzen, eine Bescheinigung haben. Sie erzählt: "Ich habe mir die App runtergeladen, und damit scanne ich den QR-Code des Greenpasses."

Dann hält sie ihr Smartphone über die digitale Bescheinigung des Kunden, bis ein Piepen ertönt: "Hat geklappt. Dort steht 'gültiges Zertifikat' mit Namen und Vornamen. Der Kunde darf drinnen am Tisch essen."

Ein Schild in einem Restaurant in Rom weist auf den Greenpass hin. | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die Gastronomie ist vorbereitet - dieses Schild in einem Restaurant in Rom weist auf den Greenpass hin. Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Auch die deutsche App zählt

Der Greenpass ist im Grunde nichts anderes als das Anti-Covid-Zertifikat der Europäischen Union. Er zeigt an, ob jemand geimpft oder von einer Covid-Erkrankung genesen ist beziehungsweise, ob in den vergangenen 48 Stunden ein negativer Corona-Test gemacht wurde. Ein Impfnachweis auf der deutschen CovPass-App wird in Italien problemlos als Greenpass akzeptiert.

Mit der seit heute gültigen Regelung will die Regierung in Rom unter anderem die weitere Ausbreitung der Delta-Variante stoppen. In Italien liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei etwa 70 - also deutlich niedriger als beispielsweise in Spanien, Frankreich oder Großbritannien. Man müsse aber jetzt gegensteuern, mahnt Ministerpräsident Mario Draghi, um größere Probleme zu verhindern.

Sanfte Klage der Gastronomen

Der Eindruck des ersten Greenpass-Tages in Rom ist, dass die Leute mitziehen. Leonardo Bianchi, einer der Gäste der Pink Bar, nippt an seinem Espresso und nickt: "Ich finde das richtig. Mit dem Greenpass kann man in die Lokale und Restaurants gehen, muss weniger Ansteckung fürchten und sich keine Sorgen machen."

Auch die Vertreter der Hotel- und Gaststättenorganisationen schlagen nach der Kritik der vergangenen Tage eher moderate Töne an. Valter Giammarco, Präsident des Kleinunternehmerverbandes Confesercenti, sagt: "Der Greenpass kann ein weiteres Gefühl der Sicherheit vermitteln. Das ist für die Kunden sicherlich gut. Es ist allerdings problematisch, dass die Kontrollpflicht bei uns liegt, denn wir sind keine Ordnungskräfte."

Gastronomen, die ihre Gäste nicht kontrollieren, riskieren Strafen von bis zu 400 Euro.

Greenpass auch für Museen und Stadion nötig

Die Greenpass-Pflicht gilt nicht nur für die Innenbereiche von Bars und Restaurants. Das Zertifikat ist in Italien auch nötig, um in Museen und Ausstellungen zu kommen, in Wellnesszentren und Hallenbäder, in Konzerte und Fußballstadien.

Ab dem 1. September brauchen auch Bahnreisende einen Nachweis über Impfung, Genesung oder Test. Wichtig: Die Greenpass-Pflicht gilt für alle, die älter als zwölf Jahre sind.

Impfbereitschaft steigt plötzlich

Ein Effekt der neuen Regelung: Die Zahl der Impfanmeldungen, die ab zwölf Jahren möglich ist, hat sich in den vergangenen Tagen in einigen Regionen verdoppelt. Es ist ein von der Regierung durchaus gewollter Effekt.

Bislang sind in Italien knapp 55 Prozent der Menschen komplett geimpft. 65 Prozent haben zumindest ihre Erstimpfung. Diese Erstimpfung reicht, um den Greenpass zu erhalten und dann weiter problemlos in Bars und Restaurants zu kommen.

Ausnahme am Tresen

In Außenbereichen von Bars und Restaurants besteht hingegen keine Greenpass-Pflicht. Und es gilt eine sehr italienische Ausnahme: Wer landestypisch seinen Kaffee am Tresen im Stehen trinkt, braucht den Greenpass nicht vorlegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. August 2021 um 12:00 Uhr.