Raumstation ISS (Archivbild: 1.11.2018) | Reuters

Deutschland zu ISS-Gefährdung Russischer Raketentest "unverantwortlich"

Stand: 16.11.2021 19:49 Uhr

Nach den USA hat auch die Bundesregierung den russischen Satellitenabschuss scharf verurteilt: Sie sprach von "unverantwortlichem Verhalten". Nach dem Raketentest hatten Trümmerteile die Sicherheit der ISS-Besatzung gefährdet.

Die Bundesregierung hat Russlands Test einer Anti-Satelliten-Rakete, der zur Bildung einer Vielzahl von Weltraumtrümmern geführt hat, als unverantwortlich verurteilt. In einer Erklärung des Auswärtigen Amtes hieß es, man sei "sehr besorgt" über den russischen Test und dessen Folgen, welche "die freie und ungehinderte Nutzung des Weltraums für alle Staaten für Jahre beeinträchtigen werden".

Durch den Test würden überdies die Astronauten auf der Internationalen Raumstation (ISS) zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Zur Besatzung gehört derzeit auch der Deutsche Matthias Maurer. "Dieses unverantwortliche Verhalten birgt ein hohes Risiko für Fehleinschätzungen und Eskalation", so das Auswärtige Amt.

Der Test unterstreiche die zunehmenden Risiken und Bedrohungen für Sicherheit und Stabilität im Weltraum und verdeutliche die "Dringlichkeit einer Einigung der internationalen Gemeinschaft auf Regeln für die friedliche und nachhaltige Nutzung des Weltraums", hieß es. Deutschland setze sich gemeinsam mit seinen Partnern für einen internationalen Austausch im UN-Rahmen ein, der die "Reduzierung von Bedrohungen und Risiken für Weltraumsysteme" zum Ziel habe. Die Bundesregierung rufe alle Staaten dazu auf, sich konstruktiv in diesen Prozess einzubringen.

NATO kritisiert Testabschuss

Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium den Testabschuss eines Satelliten bestätigt. Den US-Vorwurf einer Gefährdung für Raumfahrer hatte das Ministerium indes zurückgewiesen. Die Raumstation ISS musste wegen Trümmerteilen im All zwischenzeitlich geräumt werden. In einer Mitteilung hieß es, Russlands Militär habe "erfolgreich einen Test durchgeführt", in dessen Folge der ausgediente Satellit "Zelina-D" getroffen wurde. Demnach befand sich "Zelina-D" seit 1982 im All. Die Trümmerteile des zerstörten Satelliten "stellten und werden keine Bedrohungen für Raumstationen, Raumflugkörper und Weltraumaktivitäten darstellen", hieß es.

Die US-Regierung hatte Russland zuvor vorgeworfen, durch den Test der Anti-Satelliten-Rakete Weltraumschrott hinterlassen zu haben, der die Sicherheit von Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS gefährde. US-Außenminister Antony Blinken verurteilte "Russlands rücksichtslosen Test". NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf der Regierung in Moskau ein rücksichtsloses Verhalten vor, das auch die Sicherheit der internationalen Raumstation ISS gefährde. "Das hat viel Schaden angerichtet", sagte Stoltenberg in Brüssel. "Es zeigt, dass Russland neue Waffensysteme entwickelt."

Die europäische Weltraumorganisation ESA wurde ebenfalls deutlich: "Solche Tests in großen Höhen sind sehr belastend für die Raumfahrt", sagte Holger Krag, Leiter des ESA-Weltraumsicherheitsprogramms, der Nachrichtenagentur dpa. Sie seien absolut kontraproduktiv, idealerweise mache man sie gar nicht.

Lawrow nennt Vorwürfe "Heuchelei"

Den Vorwurf, Moskau gefährde die friedliche Nutzung des Weltraums, nannte Russlands Außenminister Sergej Lawrow eine Heuchelei. Es gebe dafür keinerlei Belege. Stattdessen treibe das Pentagon selbst "auf aktivste Art und Weise" ein Wettrüsten im All voran, kritisierte Lawrow - etwa durch Tests von Angriffswaffen.

In einer Erklärung der russischen Weltraumbehörde Roskosmos hieß es: "Nur die gemeinsamen Anstrengungen aller Weltraummächte können eine Koexistenz im Weltraum mit höchstmöglicher Sicherheit garantieren." Die Hauptpriorität Russlands sei immer die Sicherheit der ISS-Crew. Auf die US-Vorwürfe ging Roskosmos in der Erklärung nicht direkt ein.

"Erhebliches Risiko für Raumfahrtaktivitäten"

Das Weltraumkommando der US-Streitkräfte (Space Command) teilte mit, der Testabschuss habe bislang mehr als 1500 nachverfolgbare Trümmerteile in der erdnahen Umlaufbahn produziert. Vermutlich würden diese Teile letztlich in Hunderttausende kleinere Trümmer zerfallen und "über Jahre und möglicherweise Jahrzehnte in der Umlaufbahn verbleiben". Dies bedeute "ein erhebliches Risiko für die Besatzung der Internationalen Raumstation und andere bemannte Raumfahrtaktivitäten sowie für die Satelliten mehrerer Länder".

Die ISS musste wegen einer möglichen Kollision mit Weltraumschrott zweimal kurzzeitig geräumt werden. Die sieben Raumfahrer hätten sich zwei Mal in zwei an der Station angedockten Raumschiffen in Sicherheit gebracht, sagte der Kosmonaut Pjotr Dubrow, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer wechselte laut der Europäischen Weltraumorganisation Esa in die "Crew Dragon". Im Falle eines Zusammenstoßes hätte die Besatzung so schnell zur Erde zurückfliegen können. Kurze Zeit später gab es jeweils Entwarnung.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. November 2021 um 22:15 Uhr.