Migranten an Bord eines havarierten Frachters vor der griechischen Ägäis-Insel Kreta. | AFP

Havarierter türkischer Frachter Migranten dürfen in Griechenland von Bord

Stand: 31.10.2021 17:23 Uhr

In Griechenland sind fast 400 Menschen von Bord eines türkischen Frachters gegangen. Zwar hatten die Behörden ein Andocken des havarierten Schiffs erlaubt. Sie warfen der Türkei aber vor, das EU-Flüchtlingsabkommen verletzt zu haben.

Ein havarierter türkischer Frachter mit 382 Menschen an Bord ist von der griechischen Küstenwache an einen Ankerplatz vor der Insel Kos geschleppt worden. Wie das Migrationsministerium in Athen mitteilte, wurden 375 Passagiere in eine spezielle Einrichtung für Geflüchtete gebracht, in der Asylanträge bearbeitet würden. Bei den meisten handele es sich nach Angaben der Küstenwache um Männer aus Afghanistan. Eine Frau sei in ein Gesundheitszentrum auf der nahe gelegenen Insel Karpathis gebracht worden; sechs Personen wurden festgenommen.

Die Migranten würden in Quarantäne und vorübergehend auf Kos bleiben, erklärte das Ministerium. Die Türkei sei formell aufgefordert worden, das unter ihrer Flagge fahrende Schiff zurückzunehmen. Zwar hatten die griechischen Behörden dem Schiff ein Andocken erlaubt, dennoch warf Griechenland der Türkei vor, das Flüchtlingsabkommen mit der EU zu verletzen. "Die Türkei ist ihrer Verantwortung gegenüber der EU erneut nicht nachgekommen", erklärte Handelsmarineminister Giannis Plakiotakis.

Türkei verweigert Rücknahme

Das Schiff hatte nach Angaben der griechischen Behörden nach einem Maschinenschaden in internationalen Gewässern ein Notsignal ausgesendet. Es war östlich der Insel Kreta von einem griechischen Such- und Rettungsschiff geortet worden. Griechenland genehmigte daraufhin ein Anlegen auf Kos. Die Ägäis-Insel liegt nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt. Griechenland hatte zuvor die Türkei vergeblich darum gebeten, das Schiff zurückzunehmen.

Aufgrund der Anzahl der Menschen an Bord handelte es sich um "eine der größten Such- und Rettungsaktionen im östlichen Mittelmeer", erklärte die Küstenwache. Den Angaben zufolge wollte das Schiff eigentlich von der türkischen Küste nach Italien fahren. Migrationsminister Notis Mitarakis forderte "wirkungsvolle Solidarität" der EU ein. Es müsse sichergestellt werden, dass das Flüchtlingsabkommen zwischen EU und der Türkei eingehalten werde, schrieb er auf Twitter.

Patrouillen und verschärfte Grenzsicherung

Griechenland und die Türkei werfen einander regelmäßig vor, das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und Türkei zu verletzten. Der Flüchtlingsdeal vom März 2016 sieht vor, dass die Türkei die Zahl der Menschen begrenzt, die über ihr Gebiet in die EU kommen. Auch hat sich die Türkei darin verpflichtet, Migranten, die von ihrem Gebiet die EU-Außengrenze überschritten, zurückzunehmen, wenn diesen kein politisches Asyl gewährt wird. Im Gegenzug erhält die Türkei EU-Finanzhilfen in Milliardenhöhe.

Griechenland hat in den vergangenen 18 Monaten die Grenzüberwachung und die Seepatrouillen verschärft. Das führte zu einem Anstieg der Zahl der Migrantenboote, die von der türkischen Küste direkt nach Italien aufbrachen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2021 um 23:00 Uhr in den Nachrichten.