Grenzfluss Evros (Archivbild 2020) | picture alliance / AA

Griechisch-türkische Grenze Migranten nackt über die Grenze getrieben

Stand: 17.10.2022 13:48 Uhr

Nackt und teils verletzt sollen fast 100 Migranten über den Grenzfluss Evros getrieben worden sein, von der Türkei nach Griechenland. Die Länder beschuldigen sich gegenseitig - während Frontex den Fall nun bestätigt hat.

Am vergangenen Freitag sollen 92 Migranten nackt über den Grenzfluss Evros von der Türkei nach Griechenland getrieben worden sein. Diesen Vorfall hat die EU-Grenzschutzagentur Frontex nun bestätigt. Beamte der EU-Behörde hätten die griechischen Grenzer bei der Rettung der Menschen unterstützt, teilte eine Sprecherin von Frontex mit. Sie hätten anschließend berichtet, dass die Menschen teils sichtbar verletzt worden seien.

Die Migranten seien mit Booten über den Grenzfluss Evros ins Land gekommen. Frontex und die griechischen Grenzer hätten die Migranten bekleidet und versorgt, teilte die Grenzschutzagentur mit. Sie sollen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan stammen. Der Vorfall sei umgehend an den Frontex-Zuständigen für Grundrechte weitergeleitet worden, um eine mögliche Verletzung von Grundrechten zu überprüfen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Athen und Ankara hatten sich am Wochenende für den Vorfall gegenseitig die Schuld zugeschoben. Der griechische Bürgerschutzminister Takis Theodorikakos sprach von barbarischem Verhalten, das ans Mittelalter erinnere. Der türkische Vize-Innenminister hingegen twitterte, Griechenland versuche, die eigene Grausamkeit der Türkei unterzuschieben.

Griechenland will Vereinte Nationen einbeziehen

Der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis kündigte an, den Vorfall nächste Woche bei einem Besuch in New York bei den Vereinten Nationen zur Sprache bringen zu wollen. Die EU-Kommission habe er bereits informiert, twitterte Mitarakis. "Durch den beschämenden Vorfall mit den 92 Migranten in Evros ist die Türkei in einer schwierigen Lage", heißt es in dem Tweet. "Leider wurden sie erniedrigendem Verhalten ausgesetzt."

Am Samstag hatten griechische Behörden und Medien ein Foto veröffentlicht, das die nackten Menschen zeigte. Einige Migranten berichteten, sie seien in drei Fahrzeugen der türkischen Behörden an die Grenze transportiert und dort in Schlauchboote gesetzt worden, um den Fluss zu überqueren.

Türkei spricht von "Fake News"

Der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, sagte am Sonntag, griechische Behauptungen, die Türkei habe 92 Migranten unbekleidet zurück nach Griechenland gedrängt, sei unwahr. Der griechische Migrationsminister Notis Mitarachi habe falsche Informationen verbreitet, als er am Samstag ein Foto der nackten Migranten getwittert und die Türkei beschuldigt habe.

Altun twitterte auf Türkisch, Griechisch und Englisch, der Minister habe die Türkei unter Verdacht stellen wollen. Dabei sei es Griechenland, das seinen Umgang mit Migranten dringend ändern müsse. "Griechenland hat wieder einmal der ganzen Welt gezeigt, dass es die Würde der Flüchtlinge nicht respektiert, indem es die Bilder dieser unterdrückten Menschen veröffentlicht, die es nach der Erpressung ihres persönlichen Besitzes abgeschoben hat", schrieb er.

Die Türkei wirft Griechenland regelmäßig vor, Migranten, die auf dem Land- und Seeweg ins Land kommen, gewaltsam zurückzudrängen. Die türkische Küstenwache veröffentlicht häufig Videos von solchen sogenannten Pushbacks. Griechenland beschuldigt wiederum die Türkei, Migranten über die Grenze zu drängen, um Druck auf die EU auszuüben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Oktober 2022 um 08:00 Uhr.