Demonstration am Rande des G20-Gipfels in Rom. | AP

Treffen der G20 in Rom Friedlicher Gipfel-Protest

Stand: 30.10.2021 23:17 Uhr

Während sich die Staats- und Regierungschefs im Süden Roms trafen, protestierten in der Innenstadt Tausende Menschen friedlich gegen den G20-Gipfel. Sie forderten unter anderem mehr Klimaschutz und Teilhabe.

Lisa Weiß, BR, zzt. Rom

Der große Platz nahe der antiken Pyramide im Süden Roms füllt sich langsam. Immer mehr Fahnen werden ausgerollt, darauf kommunistische Symbole, Slogans von Fridays for Future oder anderen Nichtregierungsorganisationen. Andere beschriften noch schnell Pappkartons mit Globalisierungskritik, gern in römischem Dialekt.

Lisa Weiß

Wenig Vertrauen in die Politiker

Dann rollen zwölf Busse aus der Toskana an, darin 500 Beschäftigte eines Autozulieferers. Ihr Werk, das einem multinationalem Konzern angehörte, ist vor Kurzem geschlossen worden. Claudio aus Florenz steigt aus, er ist wütend. "Ich persönlich erwarte mir nichts mehr von diesen Politikern. Meiner Meinung nach existiert die Politik nicht mehr, es gibt nur noch die großen Player in der Finanzwelt", sagt er.

Ein paar Meter weiter steht Maria Letizia aus Neapel. Auch sie erwartet sich nicht mehr viel von denen, die einige Kilometer weiter südlich in einem weiträumig abgesperrten Areal über die Zukunft der Welt diskutieren. "Ich bin hier, weil ich sehr besorgt bin, wie die Politiker hier in Italien und weltweit mit dem Klimawandel umgehen", sagt sie. "Und jetzt ist die Gelegenheit, das zu sagen - also, es zu versuchen."

Aus Deutschland angereist

Die meisten Demonstranten hier sind aus Italien angereist. Marie dagegen kam mit Freundinnen aus dem Westen Deutschlands. Für die 28-Jährige war es keine Frage, hier mitzumarschieren. "Weil wir finden, dass es wichtig ist, deutlich zu machen, dass es ganz schön komisch ist, dass nur ein paar Länder entscheiden, in welche Richtung es geht und die, die am meisten unter dem Problem leiden, nicht involviert werden", sagt sie. "Es wird zwar immer gesagt: Wir denken die alle mit. Aber es wird einfach nicht richtig thematisiert."

Etwa 6000 Demonstranten

Schließlich setzt sich der Zug in Bewegung. Es sind nach Schätzungen der Sicherheitskräfte etwa 5000 bis 6000 Menschen. Das Polizeiaufgebot ist riesig: Links und rechts der Strecke stehen Polizisten mit Schildern, Hubschrauber drehen über der Demo ihre Runden, Wasserwerfer sind vor Ort.

Italien hat für den Gipfel über 5000 zusätzliche Sicherheitskräfte angefordert, auch das Militär sichert wichtige Orte ab. Das Ziel ist klar: Bilder von Chaos, Randale und Verwüstung wie etwa vom G20-Gipfel in Hamburg soll es hier nicht geben. Die Polizisten auf der Demo wirken angespannt. Wenn die Stimmung kippen sollte, greifen sie durch - das ist allen hier klar.

"Als Hauptstadt mussten wir ein Zeichen setzen"

Doch stattdessen tanzen die Demonstranten, trommeln, ziehen friedlich rund zwei Kilometer durch die Stadt. Nach einer Kundgebung geht es den gleichen Weg zurück. Einige Teilnehmer zünden Bengalos und Feuerwerk - doch es fällt nichts vor, bei dem die Sicherheitskräfte einschreiten müssten.

Auch bei einer anderen, kleineren, zeitgleich stattfindenden Demonstration bleibt es friedlich. Alles gut gelaufen, so die Polizei. Und auch das Fazit der Demonstranten fällt ähnlich aus: "Es waren viele Leute dabei, es war ruhig, friedlich, schön", sagt eine Demonstrantin. "Es lief sehr gut", sagt ihr Mitstreiter. "Als Rom, als Hauptstadt, mussten wir ein Zeichen setzen bei diesem G20-Gipfel und das haben wir gemacht. Mit Gesängen, mit Sprechchören, mit Glückseligkeit, mit fröhlicher Wut, die wir auf die Straße getragen haben - trotz der ganzen Anspannung hier."

Die Hoffnung der meisten Teilnehmer ist, dass ihre Forderungen in Erinnerung bleiben. Nicht Bilder von brennenden Autos, wie damals in Hamburg.