Mitglieder von SOS-Racisme-Kämpfer stoßen mit Unterstützern des französischen rechtsextremen Medienexperten und Präsidentschaftskandidaten Éric Zemmour zusammen. | AFP

Rechtsextremer Kandidat in Frankreich Tumulte bei Auftritt von Zemmour

Stand: 06.12.2021 08:01 Uhr

In Paris haben Anhänger des rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Zemmour Demonstranten auf einer Wahlveranstaltung mit Fäusten und Stühlen angegriffen und verletzt. Auch Zemmour wurde von einem Angreifer leicht verletzt.

Bei einem Auftritt des für die Präsidentschaftswahl in Frankreich kandidierenden rechtsextremen Publizisten Éric Zemmour ist es am Sonntag zu Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

In der Veranstaltungshalle in Villepinte bei Paris kam es zu Tumulten zwischen Gegnern und Anhängern Zemmours. Videoaufnahmen zeigten, wie Menschen aufeinander losgingen und sich mit Fäusten und Stühlen angriffen.

Zemmour leicht verletzt

Zemmour selbst wurde nach Angaben seines Teams dabei leicht verletzt: Wie ein Mitarbeiter des französischen Präsidentschaftskandidaten der Nachrichtenagentur AFP sagte, habe der 63-Jährige eine Verletzung am Handgelenk erlitten, als ein Mann ihn auf dem Weg zur Bühne gewaltsam packte.

Wie die Organisation "SOS Racisme" am Abend mitteilte, wurden zudem mehrere ihrer Mitglieder verletzt. Diese standen in der Halle auf und hatten dabei T-Shirts mit der Aufschrift "Nein zum Rassismus" an. Daraufhin wurden sie geschlagen und mit Stühlen beworfen.

Eine der Beteiligten stand im Anschluss mit blutverschmiertem Kopf vor einer Kamera vor dem Gebäude. Dort kam es zu weiteren Protesten. Einem Polizeiaufgebot gelang es, die Gegendemonstranten auf Abstand zu halten, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. In Paris selber demonstrierten rund 2200 Menschen gegen Zemmour, ohne dass es zu Zwischenfällen kam.

Éric Zemmour spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung. | REUTERS

Éric Zemmour spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Paris. Bild: REUTERS

Zemmour: Ein "Kampf größer als wir"

Zu Zemmours Wahlkampfauftakt hatten sich mehr als 10.000 Anhänger des Extremisten in der Messehalle versammelt, wo er den Namen seiner neuen Bewegung "Reconquête" (Wiedereroberung) bekannt gab. Frankreich stehe am Abgrund und die Franzosen seien in ihrer Existenz bedroht, ein "Kampf größer als wir" sei zur Rettung nötig, sagte Zemmour.

Der rechtsradikale Autor beklagte, dass er von einer "Meute von Politikern, Journalisten und Dschihadisten" verfolgt werde und von seinen Gegnern als "Faschist, Rassist und Frauenfeind" bezeichnet worden sei. "Wenn ich gewinne, wird dies der Beginn der Rückeroberung des schönsten Landes der Welt sein", sagte Zemmour.

Zemmour bereits zweimal verurteilt

Der Publizist vertritt teils extrem migrationsfeindliche und nationalistische Positionen und wurde deshalb bereits zweimal wegen Volksverhetzung rechtskräftig verurteilt. Seit Wochen mischt er den Vorwahlkampf in Frankreich auf. Am Dienstag verkündete er schließlich, dass er bei der Präsidentenwahl im April 2022 antreten werde.

Dem früheren Journalisten, der aus einer algerisch-jüdischen Familie stammt, werden Chancen eingeräumt, es anstelle der Rechtspopulistin Marine Le Pen in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Emmanuel Macron zu schaffen. In den Umfragen hatte er Le Pen, die 2017 in der Stichwahl Macron unterlag, zeitweise überholt. Zuletzt geriet seine Kampagne aber ins Stocken. Macron, der mit großer Wahrscheinlichkeit erneut antreten wird, gilt derzeit aber als Favorit für das Präsidentschaftsamt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.