Wähler geben ihre Stimmen in einem Wahllokal in Marseille ab, Frankreich. | AP

Präsidentschaftswahl in Frankreich Auftakt zu einem knappen Rennen

Stand: 10.04.2022 01:42 Uhr

In Frankreich läuft die erste Runde der Präsidentenwahl. Amtsinhaber Macron hofft auf eine zweite Amtszeit - als größte Konkurrentin gilt die Rechte Le Pen. Mehr Wähler als sonst waren unentschlossen.

Von Stefanie Markert, ARD-Studio Paris

"Votons!", titelt die Sonntagszeitung von "Le Parisien" und motiviert: "Wählen wir!" Denn jeder Dritte hat das nicht vor. Das wäre ein Rekord. Und einer von Dreien, der wählt, weiß noch nicht wen. Warum?

Stefanie Markert ARD-Studio Paris

Bis vor wenigen Wochen haben Französinnen und Franzosen das Wort "Kampagne" mit Impfen und nicht mit Wählen verbunden. Erst hat Corona den Wahlkampf ausgebremst, dann der Krieg in der Ukraine.

Hier war Amtsinhaber Emmanuel Macron vor allem als souveräner Krisenmanager gefragt. Das brachte ihm zeitweise einen sicheren Vorsprung. Doch zuletzt setzte ihm eine Milliarden-Affäre um Beraterverträge zu und sein Image als Präsident der Reichen ploppte auf.

Früherer Wahlkampfstart von Le Pen

Die Hauptkonkurrentin, Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen, startete viel früher als Macron in den Wahlkampf, hörte den Leuten auf Marktplätzen zu und setzte auf das richtige Thema: die Kaufkraft.

In Umfragen halten sie die Bürgerinnen und Bürger für die empathischste Kandidatin, ihre Maßnahme - weniger Mehrwertsteuer auf Benzin und keine mehr auf 100 lebenswichtige Produkte - für die beste zum Erhalt der Kaufkraft.

Sollten es Macron und Le Pen in die Stichwahl am 24. April schaffen, ist ihr Ausgang ungewisser als vor fünf Jahren. Damals erhielt Macron mehr als 66 Prozent der Stimmen. Der "Wall der Republik" gegen Rechtsaußen stand. Doch jetzt bröckelt er.

Offener Ausgang

Die Kandidatin der Konservativen, Valérie Pécresse, will keine direkte Wahlempfehlung aussprechen. Der Drittplatzierte Linksaußen-Mann, Jean-Luc Mélenchon, zwar keine Stimme nach rechts geben, aber erstmal seine Anhänger konsultieren. Die sind enttäuscht und wollen nicht nochmal das geringere Übel, also Macron, in Runde zwei wählen, sondern nicht hingehen oder sich enthalten.

Lediglich die Kandidaten der Grünen, der Sozialisten und der Kommunisten haben bereits zum Block gegen Le Pen aufgerufen. Doch sie liegen weit hinten. Fazit: "Rien n’est joué". So steht es über dem Leitartikel "Le Parisien" - "Nichts ist entschieden".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. April 2022 um 07:00 Uhr.