Tankstelle in Lyon/Frankreich | AFP

Streiks bei TotalEnergies und Exxon Mobil In Frankreich bleibt der Sprit knapp

Stand: 10.10.2022 18:48 Uhr

Autofahrer in Frankreich müssen sich weiter auf Versorgungsengpässe beim Sprit einstellen. Wegen der Streiks bei TotalEnergies und Exxon Mobil können ein Drittel aller Tankstellen kein Benzin oder Diesel anbieten.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Die Schlangen werden länger, viele Tanks bleiben leer, dafür laufen die WhatsApp Gruppen voll. Welche Tankstelle hat noch Benzin oder Diesel? Wo kriegt man welchen Kraftstoff und zu welchem Preis?

Julia Borutta ARD-Studio Paris

Autofahrer in Frankreich brauchen gute Nerven und viel Geduld - doch auch dann ist ihnen kein Erfolg garantiert: "Ich bin extra um Mitternacht los auf die A13, aber da gab’s auch nichts" erzählt ein Autofahrer. Ein anderer: "Ich überlege schon, ob ich nicht ein Rad kaufe." Andere nehmen es mehr oder weniger mit Humor: "Ich hab mindestens drei Tankstellen abgeklappert, um Diesel zu finden - hab ja Montags morgens auch nichts anderes zu tun."

Autoschlangen blockieren Straßen

Besonders dramatisch ist die Lage im Norden Frankreichs und im Großraum Paris. Hier sind bis zu 55 Prozent aller Tankstellen betroffen. Im Westen von Paris musste die Polizei am Wochenende mancherorts den Verkehr regeln. Denn die Schlangen vor den Zapfsäulen blockierten ganze Straßen.

In manchen Ortschaften im Norden Frankreichs hatten selbst Krankentransport-Unternehmen keine Möglichkeit, an Benzin zu kommen. 

Streik in Raffinerien und Tanklagern

Der Grund ist ein Streik in den Raffinerien und Tanklagern von TotalEnergies und Exxon Mobil. Die Mitarbeiter fordern angesichts der schwindelerregenden Gewinne der Ölkonzerne unter anderem eine Gehaltserhöhung von 10 Prozent für das laufende Jahr.

Besonders festgefahren ist die Lage bei TotalEnergies. Zwar ist der Konzern bereit, die geplanten Gehaltsverhandlungen von November auf Oktober vorzuziehen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Streikenden die Arbeit unverzüglich wieder aufnehmen. Die streikführende Gewerkschaft CGT lehnt dies ab. 

Unternehmen und Pendler sind aufgeschmissen

Währenddessen sind viele Unternehmen und Pendler aufgeschmissen. Fabrice Godefroy, Chef des Autofahrervereins "40 Million Automobilisten" warnte: "Ich bin auch Unternehmer, wir kriegen schon Probleme mit unseren Lieferungen. Das ist tragisch. Wir müssen wirklich Lösungen finden. Die kommenden Tage wird es sonst schlimm."

Die Vertretung des Mittelstandes CPME fordert gar, dass die Präfekten von ihrem Recht Gebrauch machen und notfalls Kraftstoff beschlagnahmen. 

Präsident Emmanuel Macron lehnt solche staatlichen Maßnahmen ab. Er äußerte zwar Verständnis für die Forderung der Streikenden und mahnte aber auch: "Die Regierung hat den Druck auf die Beteiligten erhöht, damit die Verhandlungen schnell zu einem Ziel kommen. Aber alle - die Konzernchefs und die Gewerkschaften - müssen selbst die Verantwortung übernehmen. Blockieren ist nicht verhandeln."

Tipps über offene Tankstellen

Doch die Lage scheint festgefahren. Der Streik wird auch morgen fortgesetzt, einige Tankstellenmitarbeiter haben sich den Streikenden in den Raffinerien angeschlossen. Derweil kursieren Tipps, wie man sich verlässlich über offene Tankstellen informieren kann. Die Regierung, der Konzern TotalEnergies und auch einige Online-Zeitungen haben interaktive Karten freigeschaltet. Und bei Kraftstoff-Apps wie Gasoil Now, Essence & Co oder Fuelflash, steigen die Nutzerzahlen rasant.