Menschen warten auf ihre Corona-Impfung in einem temporären Impfzentrum in einer Turnhalle. | AFP

Corona-Impfung in Frankreich Großer Andrang und gute Organisation

Stand: 01.06.2021 01:29 Uhr

Der erste Tag ohne Impfpriorisierung in Frankreich: Die Nachfrage ist groß - vor allem bei jungen Menschen. Lange Schlangen vor den Impfzentren blieben aber aus.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Schon früh am Morgen stehen die ersten Impfwilligen bereit. Meist junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren ohne Vorerkrankungen. Lange mussten sie warten, dass die Impfpriorisierung fällt. Nun ist es soweit.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Florian Courell ist froh, nun selbst an der Reihe zu sein. "Vor allem auch, weil ich dann bald meine Großeltern entspannt besuchen kann. Außerdem will ich im Juli in den Urlaub fahren, da ist das wichtig. Und ich habe einen Arbeitsvertrag in einem Restaurant unterschrieben. Da ist die Impfung schon nicht schlecht", sagt der 21-Jährige aus Lille dem französischen Fernsehsender France 3.

Gut organisierte Terminvergabe

Vor den Impfzentren gab es am Montag allerdings keine langen Schlangen, kein Chaos. Die Terminvergabe ist in Frankreich relativ gut organisiert. Über verschiedene Online-Plattformen können Termine recht unkompliziert vor allem in Impfzentren gebucht werden.

Als am Donnerstag vergangene Woche die neuen Termine ab 31. Mai ohne Priorisierung freigeschaltet wurden, war der Ansturm auf die Plattformen allerdings enorm groß, sagt Thomas Devlaeminck von der Website Covid-Tracker/Vite ma Dose: "Da hatten wir gut 3 Millionen Suchanfragen. Und da hatten wir dann schon das Problem, dass die Anzahl an Terminen nicht schnell genug erhöht wurde."

500.000 Impftermine pro Tag buchbar

Im Schnitt 500.000 Impftermine können derzeit pro Tag online gebucht werden - noch zu wenig, denn mit dem Ende der Impfpriorisierung haben zusätzlich zu den prioritären Gruppen 28 Millionen Menschen einen Anspruch auf einen Termin. Wann Termine freigeschaltet werden, hängt vor allem davon ab, wann und wie viel Impfstoff in den Zentren ankommt.

Im Juni sollen es fast doppelt so viele Dosen sein wie noch im Mai, sagte Premierminister Jean Castex beim Besuch in einem Impfzentrum im Umland von Paris. Die Zahl der Online-Termine soll nun schrittweise erhöht werden: "Im Juni werden wir 27 Millionen Dosen bekommen. Damit werden wir im Juni auch die Zahl der Zweitimpfungen steigern können. Und gleichzeitig unser Impfsystem weiter ausbauen."

AstraZeneca nur für Menschen über 55

Vor allem die mRNA-Impfstoffe, wie Moderna und BioNTech/Pfizer sind mit dem Ende der Priorisierung gefragt. Denn Menschen unter 55 dürfen sich in Frankreich noch immer nicht mit AstraZeneca impfen lassen. In den Impfzentren wird überwiegend BioNTech verimpft, neben AstraZeneca soll noch in dieser Woche in Frankreich auch der Moderna-Impfstoff in Apotheken verfügbar sein.

 "Das ist der Schlüssel unserer Impfkampagne", sagt Alain Fischer, der nationale Impfkoordinator. "Es ist Zeit, die Impfungen für alle zu öffnen. Gerade jetzt, wo wir das Virus wieder unter Kontrolle haben, ist es wichtig, vor allem auch die jüngeren Altersklassen schnell zu impfen."

Mehr als 25 Millionen Menschen haben in Frankreich die Erstimpfung erhalten, mehr als 11 Millionen die zweite. Noch immer sind viele Menschen über 55 Jahren nicht geimpft. Und trotzdem hat Frankreichs Regierung beschlossen, die Impfungen für alle Erwachsenen schon freizugeben. Man habe Lehren aus dem vergangenen Jahr gezogen, heißt es. Nach dem pandemisch entspannten Sommer 2020 war das Virus im Herbst wieder außer Kontrolle geraten. Das soll nicht noch einmal passieren.

Über dieses Thema berichtete die Deutsche Welle "Der Tag" am 13. April 2021.