Anhänger der Partei des georgischen Ex-Präsidenten Saakaschwili demonstrieren mit Nationalflaggen in Tiflis und fordern seine Freilassung. | AP

Massenprotest in Georgien Freiheit für Saakaschwili gefordert

Stand: 14.10.2021 19:36 Uhr

In Tiflis haben zehntausende Georgier für die Freilassung ihres Ex-Staatschefs demonstriert. Der pro-westliche Saakaschwili ist seit Anfang Oktober inhaftiert - nach einem Urteil wegen Amtsmissbrauchs.

In Georgien sind zehntausende Menschen für die Freilassung des inhaftierten Ex-Präsidenten Michail Saakaschwili auf die Straße gegangen.

Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete von mindestens 50.000 Menschen, die mit wehenden Nationalflaggen durch das Zentrum der Hauptstadt Tiflis zogen. Auf Transparenten der Demonstranten standen Aufschriften wie "Freiheit für Saakaschwili" und "Nein zur politischen Verfolgung".

Saakaschwili im Hungerstreik

Der 53-jährige Ex-Staatschef war Anfang Oktober aus seinem ukrainischen Exil nach Georgien zurückgekehrt und festgenommen worden. Inzwischen befindet er sich im Gefängnis im Hungerstreik. Gegen Saakaschwilis Festnahme hatte es schon in den vergangenen zwei Wochen Proteste gegeben.

Saakaschwilis Rückkehr in sein Heimatland erfolgte unmittelbar vor den Kommunalwahlen, bei denen die Regierungspartei "Georgischer Traum" laut offiziellem Ergebnis auf 46,7 Prozent der Stimmen kam, während auf die Oppositionsparteien insgesamt 53,3 Prozent entfielen. 

In den wichtigsten Städten des Landes findet am 30. Oktober der zweite Wahlgang statt. Saakaschwili forderte die Opposition auf, sich zuvor zusammenzuschließen, um "die Demokratie wiederherzustellen".

OSZE sieht Missstände bei Wahl

Der Gründer von "Georgischer Traum", der Milliardär Bidsina Iwanischwili, gilt als Erzrivale Saakaschwilis. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten nach dem ersten Wahlgang auf weitverbreitete Vorwürfe des Stimmenkaufs und der Einschüchterung hingewiesen. Die Opposition prangerte massiven Betrug an.

Während seiner Präsidentschaft von 2004 bis 2013 hatte Saakaschwili einen pro-westlichen Kurs verfolgt. 2018 wurde er in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft wegen Amtsmissbrauchs verurteilt. Saakaschwili, der inzwischen die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzt, weist den Vorwurf des Amtsmissbrauchs als politisch motiviert zurück.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Oktober 2021 um 19:00 Uhr.