Boris Johnson | dpa

Johnson zwei Jahre im Amt Ihm kann das alles nichts anhaben

Stand: 24.07.2021 09:52 Uhr

Seit zwei Jahren ist Boris Johnson britischer Premierminister. Ihm werden immer wieder Täuschungen und Inkompetenz vorgeworfen. Doch bei den Regionalwahlen glänzten seine Konservativen trotz allem.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Boris Johnson hat viele Kritiker. Und viele haben ihm auch gar nicht zugetraut, dass er so lange durchhält. Dominic Cummings ist so einer. Der Stratege, der die Kampagne "Leave" zum Brexit-Referendum geführt hatte und später sein engster Berater wurde.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Angriff des Ex-Beraters

In der vergangenen Woche hatte Cummings in einem BBC-Interview noch einmal deutlich gemacht, was er dachte, als Johnson das Amt antrat. In einigen Bereichen habe er, Boris Johnson, Fähigkeiten gehabt, in anderen sei er ein hoffnungsloser Fall.

Cummings wirft Johnson vor allem vor, zu Beginn der Corona-Krise alles falsch gemacht zu haben. Johnson habe Corona mit der Schweinegrippe verglichen und einen Lockdown abgelehnt, weil ohnehin nur über 80-Jährige sterben würden.

Johnson und Cummings haben sich im Streit getrennt, der ehemalige Berater mag also ein Interesse daran haben, seinen ehemaligen Chef schlecht aussehen zu lassen. Doch ein Dementi für die Äußerung gibt es nicht. Später setzte Großbritannien einen strengen Lockdown um, da hatte es aber schon viele Tote gegeben.

Johnson verweist gern auf die Impfkampagne

Als relativ bald der Impfstoff von AstraZeneca bereitstand, setzte die Regierung auf ein großes Impfprogramm - mit Erfolg. Und es vergeht keine Debatte im Unterhaus, in der Johnson diesen Erfolg nicht unterstreicht. Zum Beispiel vor zwei Wochen, als Oppositionsführer Keir Starmer vor Chaos warnte infolge der Lockerungen und bis zu 100.000 Infektionen am Tag. Dank der Impfungen läge die Todesrate bei nur noch einem Drittel der vorherigen Werte, erwiderte Johnson. Und zu verdanken sei dies dem schnellen Impfprogramm der Regierung.

Mittlerweile hat die Regierung ein anderes Problem: So viele Personen im Vereinigten Königreich werden von der Covid-App gewarnt und müssen in Isolation, dass es Engpässe bei Unternehmen und etwa in Supermärkten gibt.

Durchwursteln statt Strategie

Eher durchwursteln als mit erkennbarer Strategie regieren - das wird auch beim Brexit deutlich. Mit der EU hat die britische Regierung klare Regeln vereinbart, was den Handel mit Nordirland nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union angeht. Weil das aber immer wieder für innenpolitische Probleme sorgt, will Johnson das Abkommen am liebsten auflösen.

Und offen bleibt die Frage: Wusste er nicht, worauf er sich eingelassen hat, oder setzte er darauf, dass sich seine Position im täglichen Handel ganz praktisch gegen die starren Regeln der EU durchsetzen werde?

Teure Tapeten und ein Wahlsieg

Affären wie die um die teure Renovierung seiner Dienstwohnung gehen spurlos an Johnson vorbei. In der Presse wird über "Wallpapergate" berichtet, also um die Affäre von Tapetenrollen, die 800 Pfund das Stück gekostet haben sollen. Und die 30.000 Pfund, die ihm für die Renovierung zur Verfügung standen, waren bei weitem nicht genug: Johnson soll Spender gehabt haben.

Die Regierung setzt die BBC unter Druck, Richter werden eingeschüchtert. Doch all das geht spurlos an Johnson vorüber. Bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai fuhren die Konservativen in Wales, Schottland und England ein hervorragendes Ergebnis ein und konnten einen Wahlkreis gewinnen, in dem ein Abgeordneter für das Unterhaus neu gewählt werden musste, der bislang an Labour gegangen war. Für Johnson waren diese Wahlen eine Bestätigung seiner Politik.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Juli 2021 um 08:18 Uhr.

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KOMMENTARE

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fathaland slim 24.07.2021 • 18:53 Uhr

18:38, Einfach Unglaublich

>>Dass das UK ... ... ohne die EU viel besser dasteht, hat ja der britische Impferfolg (schnelle Zulassung) und die unabhängige Migrationspolitik eindrucksvoll bewiesen.<< Ich kann nicht erkennen, daß GB, was die Covidproblematik angeht, besser dastünde als die EU. Und klar, Migration ist natürlich das Lieblingsthema der Rechten. Da hat sich aber seit dem EU-Austritt nicht viel verändert. GB war nie Mitglied des Schengenraums. Lediglich EU-Bürger haben es jetzt schwerer als vorher, sich dort niederzulassen.