Polizisten stehen in Minsk vor einem Bild des inzwischen inhaftierten Babariko | via REUTERS

Prozess gegen Lukaschenko-Gegner Schuldig durch Kandidatur

Stand: 06.07.2021 02:51 Uhr

Viktor Babariko war ein führender Banker in Belarus, dann stellte er sich gegen Präsident Lukaschenko. Die Folge: Korruptionsvorwürfe, Verhaftung, Prozess. Heute soll das Urteil fallen. Niemand zweifelt an einer hohen Strafe.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Auch nach Monaten in Untersuchungshaft und langen Tagen vor Gericht blieb sich Viktor Babariko am Ende seines Prozesses treu: "Auch wenn es vermutlich nützlicher für mich wäre, wenn ich Verbrechen, die ich nicht begangen habe, zugeben würde - ich kann keine Verbrechen gestehen, die ich nicht begangen habe" erklärte er.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Chef der Belgasprombank Steuerhinterziehung und Geldwäsche im großen Stil vor. Und fordert 15 Jahre Haft. Babariko hält die Anschuldigungen, den gesamten Prozess für politisch motiviert.

Und ist damit nicht allein. Sein einziges Vergehen, sagt der frühere Koordinator seines Wahlbüros, Iwan Krawzow, in einem Video, sei es gewesen, Machthaber Alexander Lukaschenko herausgefordert zu haben. "Viktor wollte als Präsidentschaftskandidat antreten. Deshalb wurde er eingesperrt. Für das Präsidentenamt zu kandidieren, scheint in Belarus gesetzeswidrig zu sein."

Großer Rückhalt für die Kandidatur

Babariko, bekannt als erfolgreicher Manager und Kulturförderer, hatte im Mai 2020 seinen Posten als Vorstandsvorsitzender der Belgasprombank aufgegeben, um bei der belarusischen Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Innerhalb kürzester Zeit sammelte er Hunderttausende Unterschriften. Sein Programm kam bei den Menschen gut an.

Mehr Mitsprache, mehr Freiraum und Eigenverantwortung, das forderte Babariko mit Blick auf das autoritär geführte Land: "Es ist der Traum von einem Land, in dem die Menschen sich selbst und ihre Wünsche verwirklichen können, in dem die Menschen respektiert werden und ihre Biografien frei gestalten können."

"Bourgeoisie auf links bürsten"

Schnell galt er als einer der aussichtsreichsten Kandidaten und geriet damit ins Visier von Lukaschenko, der Anfang Juni auf einer Sitzung öffentlich forderte, die Vertreter der "Bourgeoisie" zur Vernunft zu bringen: "Der Generalstaatsanwalt soll sich einschalten. Das Komitee für Staatskontrolle. Und auch andere staatliche und kommunale Behörden. Sie sollen diese dicken Bourgeoisen auf links bürsten."

Bereits am nächsten Tag wurden Mitarbeiter der Belgasprombank festgenommen, wenig später auch Babariko und sein Sohn. Seither sitzen Beide in Untersuchungshaft.

Worüber sich Lukaschenko empört

Kurz bevor im Februar der Prozess gegen Babariko begann, ließ sich Machthaber Lukaschenko auf der allbelarusischen Versammlung noch einmal über seinen früheren Herausforderer aus:

Alle faseln von Babariko. 'Ach, der Konkurrent des Präsidenten wurde inhaftiert!' Ich pfeife auf solche Konkurrenten! Er ließ Immobilien für sich in der Türkei bauen, und hier - Villen! Keiner lebt hier wie er - Autos, Häuser! Auch seine Kinder hat er reingezogen! Hat dafür viel zu viele Firmen eröffnet! Was braucht Ihr noch?! Soll ich mir das etwa ruhig anschauen?

Eines von vielen Urteilen

Niemand zweifelt daran, dass Babariko heute zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird. Es werde eines von vielen Urteilen seien, heißt es aus den Reihen der Opposition, mit denen Lukaschenko Rache an seinen Herausforderern und Kritikern übe.

"Wir können uns nicht die Zeiten aussuchen, in denen wir leben, aber wir wählen den Weg, den wir gehen werden" - so hat es Babariko einmal formuliert. Das Leben, betonte der 57-Jährige in seinem Abschlussplädoyer vor Gericht, sei ein Marathon. Es sei offen, wer das Rennen am Ende gewinne.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2021 um 06:08 Uhr.