Krystsina Tsimanouskaya | AFP

Nach Olympia-Eklat Sprinterin Timanowskaja in Wien gelandet

Stand: 04.08.2021 16:43 Uhr

Die belarusische Olympia-Sprinterin Timanowskaja ist nach ihrer Abreise aus Japan am Nachmittag in Wien gelandet. Sie stieg offenbar wegen Sicherheitsbedenken in eine Maschine nach Österreich statt nach Polen.

Die belarusische Olympia-Teilnehmerin Kristina Timanowskaja ist auf dem Flughafen in Wien eingetroffen. Bilder zeigten, wie die Sprinterin das Flugzeug der Austrian Airlines verließ. Am Flughafen standen ein Kleinbus und ein Polizeiwagen bereit, um die 24-Jährige zu begleiten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Es wurde erwartet, dass Timanowskaja von Wien nach Warschau weiterreisen wird.

Die 24-Jährige sollte eigentlich einen Direktflug nach Polen nehmen, stieg aber in letzter Minute in eine Maschine nach Österreich, wie ein Flughafenbeamter gegenüber Journalisten mitteilte. Konsulatsmitarbeiter hätten ihre Flugroute aufgrund von Sicherheitsbedenken geändert, erklärte ein Vertrauter Timanowskajas der Nachrichtenagentur Reuters.

Polen hatte Timanowskaja zuvor ein humanitäres Visum erteilt. Warschau werde alles tun, "was notwendig ist, um ihr zu helfen, ihre Sportkarriere fortzusetzen", erklärte Polens Vize-Außenminister Marcin Przydacz. Auch Timanowskajas Ehemann Arseni Zdanewitsch erhielt nach Angaben der Regierung ein humanitäres Visum. Er war nach eigenen Angaben aus Belarus geflüchtet und hielt sich zuletzt in der Ukraine auf.

Ausscheiden nach Kritik an Sportfunktionären

Die 24-jährige Sprinterin hatte zuvor Kritik an den belarusischen Sportfunktionären geübt, weil sie bei den Olympischen Spielen in Japan ohne Rücksprache mit ihr für das 4x400-Meter-Rennen statt für den 200-Meter-Lauf aufgestellt worden war. Das belarusische Nationale Olympische Komitee (NOK) erklärte daraufhin, Timanowskaja scheide wegen ihres "emotionalen und psychologischen Zustands" aus dem Wettbewerb aus. 

Die Athletin wies die Behauptungen über ihren Zustand zurück und bat das Internationale Olympische Komitee (IOC) um Hilfe: "Ich stehe unter Druck, und sie versuchen, mich gegen meinen Willen außer Landes zu bringen", sagte sie in einem Video. Die Nacht zum Montag verbrachte sie unter Schutzvorkehrungen in einem Flughafenhotel in Tokio.

IOC setzt Disziplinarkommission ein

Das Internationale Olympische Komitee setzte eine Disziplinarkommission ein. Diese solle die Tatsachen in dem Skandal um die mutmaßlich von belarusischen Behörden versuchte Entführung der Leichtathletin aus Tokio feststellen, sagte IOC-Sprecher Mark Adams.

Die belarusischen Behörden gehen seit Monaten strikt gegen Regierungskritiker vor. Im vergangenen Jahr waren Massenproteste nach der umstrittenen Wiederwahl von Machthaber Alexander Lukaschenko brutal niedergeschlagen worden. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2021 um 01:00 Uhr.