Keir Starmer | REUTERS

Ermittlungen gegen Keir Starmer Labour-Chef wegen "Beergate" unter Druck

Stand: 06.05.2022 17:12 Uhr

Bislang beschäftigte Premier Johnsons "Partygate"-Skandal Großbritannien. Nun ermittelt die Polizei wegen eines "Beergates" gegen Keir Starmer, den Chef der oppositionellen Labour-Partei - und das einen Tag nach den Kommunalwahlen.

Wegen einer geselligen Runde zu Lockdown-Zeiten muss sich nun auch der Oppositionsführer in Großbritannien, Keir Starmer, Ermittlungen stellen. Die Polizei der Grafschaft Durham, wo Starmer mit einem Team im vergangenen Jahr auf Wahlkampftour war, teilte mit, "bedeutsame neue Informationen" erhalten zu haben. Daher werde man ermitteln, ob damals Lockdown-Regeln gebrochen worden seien.

Ermittlungen zunächst abgelehnt

Jetzt also doch - zuvor hatte die Behörde Ermittlungen nach eigener Aussage nicht für notwendig erachtet. Konkret geht es um einen Abend im April vergangenen Jahres, als Restaurants noch weitgehend geschlossen hatten und strenge Kontaktbeschränkungen galten - mit Ausnahmen für Arbeitstreffen.

Aus dieser Zeit gibt es Aufnahmen einer geselligen Runde in einem Labour-Büro in Durham. Diese waren in diversen Medien aufgetaucht, insbesondere die konservative "Daily Mail" brachte tagelang umfangreiche Stücke zu dem so betitelten "Beergate"-Vorfall. In einem hieß es, es sei für 30 Menschen Essen bestellt worden - und auch Bier habe es gegeben. Keir Starmer selbst war mit einer Flasche Bier in der Hand gefilmt worden: daher der Begriff "Beergate".

Ablenkungsmanöver der Tories?

Ein Sprecher der Labour-Partei teilte mit, man sei "natürlich bereit, Fragen zu beantworten". Corona-Regeln seien keine verletzt worden.

Wir bleiben aber dabei, dass keine Regeln gebrochen wurden.

Keir Starmer, der dies zuvor ebenfalls häufiger betont hatte, wollte zunächst keine Reporterfragen dazu beantworten. Seine Erklärung lautete zuvor, er habe mit seinem Wahlkampf-Team im Büro Curry bestellt, während der Arbeit gegessen und ein Bier getrunken. Der Labour-Chef warf der Tory-Partei eine "Schlammschlacht" vor, um von den Lockdown-Partys des eigenen Premierministers Boris Johnson abzulenken.

"Beergate" reiht sich nach "Partygate" ein

Johnson hatte bereits für eine illegale Feier eine Strafe zahlen müssen, wegen weiterer wird noch ermittelt. Stimmen aus der Tory-Partei hatten die Polizei noch vor einigen Tagen aufgefordert, Ermittlungen zu Starmers "Beergate" aufzunehmen.

Die Kehrtwende der Polizei kommt am Tag nach den Wahlen, bei denen Labour ersten Zahlen zufolge der Tory-Partei einige entscheidende Bezirke und Städte abringen konnte. Labour-Chef Starmer hatte sich nach den Wahlen in Feierlaune gezeigt und die Ergebnisse als "Wendepunkt" für seine Partei bezeichnet. Auf Twitter schrieb er, "die Veränderung beginnt heute".