AstraZeneca Impfstoff | AFP

Europäische Arzneimittelbehörde Prüfung von AstraZeneca läuft noch

Stand: 06.04.2021 18:35 Uhr

Die EMA prüft weiter, ob es einen Zusammenhang zwischen dem AstraZeneca-Impfstoff und Blutgerinnseln gibt. Allerdings will sich die Behörde noch diese Woche äußern. Zuvor hatte ein EMA-Vertreter einen Zusammenhang bejaht.

Nach den Äußerungen eines EMA-Verantwortlichen über einen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin und dem vereinzelten Auftreten von Blutgerinnseln hat die Europäische Arzneimittelbehörde klargestellt, dass sie in der Sache noch keine Entscheidung getroffen hat. Der EMA-Ausschuss für Medikamentensicherheit habe "noch keine Schlussfolgerung gezogen und die Prüfung läuft derzeit weiter", teilte die Behörde mit. Eine Entscheidung werde voraussichtlich am Mittwoch oder Donnerstag bekanntgegeben.

Der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, hatte in einem Interview mit der italienischen Zeitung "Il Messagero" zuvor eine Verbindung zwischen der AstraZeneca-Impfung und dem vereinzelten Auftreten gefährlicher Blutgerinnsel insbesondere bei jüngeren Geimpften hergestellt. "Meiner Meinung nach können wir mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt", sagte er. "Was diese Reaktion auslöst, wissen wir aber noch nicht."

Cavaleri legte nahe, dass die EMA den Zusammenhang bereits "in den nächsten Stunden" offiziell feststellen werde. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis spreche dennoch weiter für den Impfstoff, so Cavaleri.

EMA betont hohen Nutzen des Präparats

Wie das AstraZeneca-Vakzin Blutgerinnsel bei Geimpften auslöst, ist nach Cavaleris Angaben jedoch noch nicht klar. So werde die EMA wohl in dieser Woche auch noch keine Alters-Empfehlung geben können. "Unsere Bewertung ist noch lange nicht abgeschlossen", sagte Cavaleri. Er erwarte kaum, dass die EMA diese Woche "so weit kommt, wie es verschiedene Länder getan haben, Altersgrenzen festzulegen".

Die EMA hatte für diese Woche eine Prüfung des Impfstoffs des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens angesetzt. Bislang hat die Behörde das Präparat als sicher empfohlen und betont, der Nutzen des Vakzins überwiege deutlich mögliche negative Folgen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Blutgerinnseln sei demnach zwar möglich, allerdings gebe es dafür keinen Beweis, hieß es bislang von der EMA. Auch der Hersteller betont dies.

Ende März hatte sich EMA-Chefin Emer Cooke gegen Beschränkungen ausgesprochen. Eine aktualisierte Empfehlung der EMA sei für die Sitzung ihres Sicherheitsausschusses vom 6. bis 9. April zu erwarten, hieß es damals. Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides schrieb inzwischen auf Twitter, am Mittwoch sei mit einer EMA-Bewertung zu rechnen.

Deutschland: AstraZeneca nur noch ab 60 Jahre

Mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada, schränkten den Einsatz des Vakzins bereits ein. Andere Länder wie Dänemark setzten die Verwendung vorsichtshalber vollständig aus. In Deutschland hatten Bund und Länder Ende März nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beschlossen, AstraZeneca in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre einzusetzen. Hintergrund waren seltene Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen. Zuvor hatte es eine mehrtägige Impfpause gegeben; Mitte März waren die Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca nach Überprüfungen dann wieder angelaufen.

Die deutschen Behörden hatten ihre Entscheidung mit dem Auftreten von Hirnvenen-Thrombosen insbesondere bei jüngeren Frauen in zeitlichem Zusammenhang zu der Impfung begründet. International wurden Dutzende solcher Fälle gemeldet, von denen einige tödlich endeten.

30 Thrombose-Fälle in Großbritannien

Auch die britische Arzneimittelbehörde untersucht inzwischen Fälle von Hirnthrombosen nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Präparat, wie die Medicines and Healthcare Regulatory Agency (MHRA) mitteilte. Nach landesweit mehr als 18 Millionen AstraZeneca-Impfungen seien in Großbritannien bislang 30 Thrombose-Fälle bei Geimpften aufgetreten. Sieben der Betroffenen seien gestorben.

Zuvor hatte es einen Medienbericht gegeben, wonach die Behörde erwägt, das Präparat nicht mehr für unter 30-Jährige zu empfehlen. MHRA-Chefin June Raine betonte jedoch, eine regulatorische Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. April 2021 um 16:33 Uhr.